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CR U I S E R SEPT EMBER 2017
1
SEPTEMBER 2017 CHF 7.50
DAS GRÖSSTE
SCHWEIZER
GAY-MAGAZIN
GAY
UND KIND?
KLAR DOCH!
cruiser
DAVID HASSELHOFF
Das grosse Interview
LGBT*-FLÜCHTLINGE
Keine Chance auf eine Zukunft?
REGENBOGENFAMILIEN
Postmoderne Rollenbilder
2
CR U I S E R SEPT EMBER 2017
SLIPPERY
SUBJECTS
Kein Risiko im Oktober, HIV-Test im
November. drgay.ch/securion
Securion
kommt.
Mach dich bereit!
3
CR U I S E R SEPT EMBER 2017
EDITORIAL
Liebe Leser
In den 30 Jahren Cruiser hat es bisher noch nie ein Kind aufs Cover
geschafft. Nicht, weil wir das nicht wollten, sondern weil es keinen
Sinn gemacht hätte. Zu Cruiser-Gründerzeiten hätte es kaum einer zu
träumen gewagt, dass das Thema «Adoptiooder «Regenbogen-
familie» je eines werden würde. Dass das so ist, ist eine tolle Leistung
von unseren «Vorkämpfern». Nur wie der Artikel ab Seite 4 zeigt,
sind wir noch lange nicht am Ziel. Wir haben in unserer Titelgeschichte
auch eine Weltkarte mit dem Status-Quo der aktuellen Situation rund
um die LGBT*-Akzeptanzes gibt immer
noch erschreckend viele rote Stellen auf dieser
Karte. Rot bedeutet, dass gleichge schlecht-
liche Liebe nicht akzeptiert ist oder sogar mit
dem Tod bestraft wird. Aus diesem Grund
müssen queere Menschen aus ihrer Heimat
fliehen. Queere Flüchtlinge sind daher eben-
falls ein Thema in dieser Ausgabe.
Herzlich; Haymo Empl
Chefredaktor
IMPRESSUM
CRUISER MAGAZIN PRINT
ISSN 1420-214x (1986 – 1998) | ISSN 1422-9269
(1998 – 2000) | ISSN 2235-7203 (Ab 2000)
Herausgeber & Verleger Haymo Empl, empl.media
Infos an die Redaktion redaktion@cruisermagazin.ch
Chefredaktor Haymo Empl
Stv. Chefredaktorin Birgit Kawohl
Bildredaktion Haymo Empl, Astrid Affolter. Alle Bilder
mit Genehmigung der Urheber.
Art Direktion Astrid Affolter
Agenturen SDA, DPA, Keystone
Autor_Innen Vinicio Albani, Anne Andresen,
Yvonne Beck, Haymo Empl, Andreas Faessler,
Birgit Kawohl, Moel Maphy, Michi Rüegg,
Alain Sorel, Peter Thommen
Korrektorat | Lektorat Birgit Kawohl
Anzeigen anzeigen@cruisermagazin.ch
Christina Kipshoven | Telefon +41 (0) 31 534 18 30
WEMF beglaubigte Auflage 11 539 Exemplare
Druck Druckerei Konstanz GmbH
Wasserloses Druckverfahren
REDAKTION UND VERLAGSADRESSE
Cruiser | Clausiusstrasse 42, 8006 Zürich
redaktion@cruisermagazin.ch
Telefon +41 (0)44 586 00 44 (vormittags)
Haftungsausschluss, Gerichtsstand und weiterführende
Angaben auf www.cruisermagazin.ch
Der nächste Cruiser erscheint am 1. Oktober 2017
Wir vom Cruiser setzen auf eine grösstmögliche Diversität
in Bezug auf Gender und Sexualität sowie die Auseinander-
setzung mit diesen Themen. Wir vermeiden darum Eingriffe
in die Formulierungen unserer Autor_Innen in Bezug auf
diese Bereiche. Die von den Schreibenden gewählten
Bezeichnungen können daher zum Teil von herkömmlichen
Schreibweisen abweichen. Geschlechtspronomen werden
entsprechend implizit eingesetzt, der Oberbegriff Trans*
beinhaltet die entsprechenden Bezeichnungen gemäss
Medienguide «Transgender Network Schweiz». Um es kurz
zu machen: Im Cruiser schreiben die Menschen als solche.
INHALT
4
THEMA
QUEER UND FAMILIE
8
REPORTAGE MARYS OLD TIMERS BAR
11
INTERVIEW RICHARD GERE
14
KULUTR NATIONAL & INTERNATIONAL
16
THEMA LGBT*-FLÜCHTLINGE
19
KOLUMNE MICHI RÜEGG
20
KULTUR BUCHTIPP
21
KOLUMNE MIRKO
22
SERIE WAS MACHT EIGENTLICH
25
KULTUR BUCHTIPP
26
NEWS NATIONAL & INTERNATIONAL
28
INTERVIEW REGENBOGENFAMILIEN
31
MARKTPLATZ KLEINANZEIGEN
32
RATGEBER DR. GAY
33
KOLUMNE PETER THOMMEN
34
FLASHBACK CRUISER VOR 30 JAHREN
4
CR U I S E R SEPT EMBER 2017
THEMA
QUEER UND FAMILIE
Als homosexuelles Paar mit Kindern
steht man mit seiner Idee von Familie
oft noch recht allein auf weiter Flur.
Doch es gibt es immer mehr Paare, die
sich dazu entschliessen, sich gemein-
sam ihren Kinderwunsch zu erfüllen.
Bis Regen bogen familien zum normalen
Gesellschaftsbild gehören, braucht
es noch Zeit, angepasste Ge setze
und vor allem Aufklärungsarbeit.
VON A NNE A NDRES E N
L
ivia und Tatjana sind um die dreissig
und haben sich schon früh dafür ent-
schieden, gemeinsam eine Familie zu
gründen. Trotzdem hat es eine Zeit gedauert.
«In anderen Beziehungen ist die Familien-
planung etwas, auf das man es vielleicht
eher ankommen lassen kann. Aber für uns
war klar, dass es ein gemeinsamer Weg
wird, den, der seine Herausforderungen mit
sich bringt.» Heute sind sie Mütter von zwei
Kindern und glücklich, dass sich ihr
Wunsch erfüllt hat. Dass sie als Familie auf
der Strasse oftmals noch mit Vorurteilen
konfrontiert sind, nehmen die beiden mit
Humor. Auf Fragen wie «Wer ist denn bei
euch der Papa?» reagieren sie inzwischen
gelassen. «Die Gesellschaft ist eben noch
nicht so weit, die Bilder in den Köpfen sind
noch immer am klassischen Familienmo-
dell orientiert. r uns als Familie steht da
ein gesellschaftlicher Auftrag im Fokus,
aufzuzeigen, dass unser Familienmodell
auch eine Möglichkeit von vielen ist.» Dabei
sei es egal, ob man in Berlin oder in Ober-
bayern lebe, sagen sie, die Fragen seien
überall dieselben.
Auch dass das Gegenüber oftmals be-
reits im zweiten Satz verblüt fragt «Wie habt
ihr denn das gemacht?», gehört zu den nor-
malen Situationen, die man als Queerfamily
auf der Strasse erlebt. Die Grenzen zur Intim-
sphäre werden da schnell einmal eingeris-
sen. Dabei würde niemandem in den Sinn
kommen, ein heterosexuelles rchen zu
fragen, wie sie ihr Kind gemacht haben, ob-
wohl Sex dafür schon lange keine Vorausset-
zung mehr ist und Fruchtbarkeitsprobleme
heutzutage in immer mehr Beziehungen
ema werden. Wo man über Daniela und
Stephan die heisse Information gern hinter
vorgehaltener Hand weitergibt, ist es bei
homosexuellen Paaren eben oensichtlich,
dass man Tricks angewendet hat, um an ein
Kind zu kommen. Dies sei eben eine Frage,
die beantwortet sein will, meinen die beiden.
Wenn irgendwann der Wunsch nach
einer eigenen Familie da ist, sehen sich Paare
oftmals als erstes mit der Frage konfron-
tiert: Wie soll das gehen? Denn die Wege
zum eigenen Kind sind oftmals verschlun-
gen. Das Gesetz verwehrt gleichgeschlecht-
lichen Paaren noch immer Methoden, die
heute dank der modernen Medizin hetero-
sexuellen Paaren und sogar alleinstehen-
den Personen oenstehen. Und das, wo sie
biologisch gegenüber heterosexuellen Paa-
ren sowieso benachteiligt sind. Zwar gibt es
auch in der Schweiz seit 2007 die Einge-
tragene Lebenspartnerschaft für gleichge-
schlechtliche Paare, doch anders als verhei-
ratete Ehepaare rfen sie weder Kinder
adoptieren noch reproduktionsmedizini-
sche Hilfe in Anspruch nehmen.
Auch die Adoption eines Kindes ist für
gleichgeschlechtliche Paare nicht erlaubt.
Anders in Deutschland: Seit diesem Juni
wurde im Bundestag die Ehe für alle ange-
nommen, und damit wird in unserem Nach-
barland ab Oktober auch die Adoption für
gleichgeschlechtliche Paare möglich sein.
Die Stiefkindadoption, d.h. die Adoption
eines in die Partnerschaft mitgebrachten
Kindes (beispielsweise aus einer früheren
heterosexuellen Beziehung) ist auch in der
Schweiz möglich, sich als homosexuelles
Paar für eine Adoption zu bewerben jedoch
ÜBER DEN ALLTAG ALS
REGENBOGEN FAMILIE
Livia und Tatjana haben sich für Kinder entschieden:
Noch sind Regenbogenfamilien die Ausnahme.
5
CR U I S E R SEPT EMBER 2017
THEMA
QUEER UND FAMILIE
nicht. Dabei können selbst Alleinstehende
in der Schweiz Kinder adoptieren.
Nur die Stiefkindadoption istglich
Die Stiefkindadoption, d.h., die Adoption
eines in die Partnerschaft mitgebrachten
Kindes (beispielsweise aus einer früheren
heterosexuellen Beziehung) ist möglich, sich
als homosexuelles Paar für eine Adop
tion
zu
bewerben, jedoch nicht. Selbst Allein
-
stehende können in der Schweiz Kinder
adoptieren. Ob sie homosexuell sind, spielt
dabei keine Rolle. Eine gesetzliche Schief-
lage, durch die Menschen, die mit einer ein-
getragenen Lebenspartnerschaft Bindungs-
willen und ein stabiles Umfeld zeigen,
anderen gegenüber benachteiligt sind.
Doch mit Mut und der Bereitschaft,
neue und ungewöhnliche Wege einzuschla-
gen, sst sich einiges bewegen, was auf den
ersten Blick schwierig scheint. «Wenn man
den Wunsch hat, als Paar eine Familie zu
gründen und das auf natürlichem Weg nicht
geht, gibt es doch die Möglichkeit, die eige-
nen Schubladen im Kopf zu hinterfragen
und mutig andere Wege einzuschlagen, die
für beide passen,» sagt Tatjana.
Nicht wenige Paare suchen deshalb
oftmals nach individuellen Lösungen, in-
dem sie den Kinderwunsch gemeinsam mit
einem Paar des anderen Geschlechts reali-
sieren oder, wie Livia und Tatjana, privat
nach einem Menschen suchen, der bereit
ist, ihnen zu helfen. Die beiden haben
schliesslich eine Annonce geschaltet, da der
Weg über Samenbanken für sie nicht infra-
ge kam. «Natürlich sind von 100 Zuschriften
99 unseriös, da sind alle Klischees dabei, die
man sich vorstellen kann,» sagt Livia. Aber
letztendlich haben sie dann doch sehr
schnell jemanden gefunden, zu dem sie
Vertrauen hatten. Und natürlich habe es
sich gelohnt, sagen sie, für die zwei tollen
Kinder, die sie jetzt miteinander haben.
Schwierige Lage r Männerpaare
Dass die Lage sich r Männerpaare noch-
mals schwieriger gestaltet, liegt nur bedingt
in der Natur begründet, auch hier ist die Ge-
setzeslage schwierig. So ist zwar die Samen-
zellenspende legal, die Eizellenspende je-
doch nicht. «Wenn eine Frau einem Paar das
ermöglichen will, soll sie das bitte tun r-
fen! Das ist einfach eine unglaubliche Hilfe,
die eine Beziehung glücklich machen kann.
Das würde für nnerpaare viel verein-
fachen ndet Tatjana. nnliche Paare
reisen deshalb oft ins Ausland, um sich den
Wunsch vom eigenen Kind zu realisieren.
Letztlich bieten die neuen Familien-
modelle auch Chancen, vielfältigere und
neue Beziehungen in der Welt zu knüpfen.
Das betrit nicht nur die Kinder, sondern
auch die Eltern. Zum Vater der Kinder halten
die beiden auch heute noch Kontakt, wobei
sie von vornherein Rechte und Pichten der
einzelnen Parteien sorgsam fest gehalten
haben. Über rechtliche Grund lagen muss
man sich vorher genau informieren, um die
Kinder optimal abzusichern.
Trotzdem lt die Bürokratie für
Regenbogenfamilien immer wieder
A N Z EI G E
DAS GESETZ VERWEHRT GLEICH-
GESCHLECHTLICHEN PAAREN
NOCH IMMER METHODEN, DIE
HETEROSEXUELLEN PAAREN
UND SOGAR ALLEINSTEHENDEN
PERSONEN OFFENSTEHEN.
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CR U I S E R SEPT EMBER 2017
Argumente der Gegner, die das vermeint-
liche Kindswohl im Blick haben, entbehren
jeder Logik, wenn man bedenkt, dass jeder-
mann, der dazu biologisch in der Lage ist,
ohne Brief und Siegel Kinder in die Welt set-
zen darf. Gerade homosexuelle Paare gehen
oftmals viel reektierter an das ema Kin-
der heran als manch ein anderer, sind sie
doch von vornherein dazu gezwungen, sich
aktiv mit der Frage auseinanderzusetzen.
Trotzdem sehen sich gleichgeschlecht-
liche Eltern oftmals genötigt zu beweisen
oder zu erklären, dass es ihrem Kind nicht
schlechter geht als anderen. Studien zur Le-
benssituation von Queerkids helfen aufzu-
kren, das ist gut. Ihre Existenz zeigt jedoch
gleichzeitig auf, dass wir noch nicht an dem
Punkt sind, Vorurteile, die auf veralteten Mo-
ralvorstellungen basieren, ad acta zu legen.
Dass man die Entwicklung der Geschlechts-
identität und Persönlichkeit von diesen Kin-
dern überhaupt speziell untersuchen muss,
ist schliesslich und endlich Beweis für tief-
sitzende Ängste in der Gesellschaft. «Es ist ja
mittlerweile auch für die Kritiker unseres
Familienmodells wissenschaftlich belegt,
dass sich die sexuelle Orien tierung der El-
tern nicht auf die Kinder auswirkt.,» so Livia.
Über raschungen bereit. Livia, die als Schwei-
zerin in Deutschland lebt, wird für ihren
leiblichen Sohn einen Schweizerpass bekom-
men, für ihre adoptierte Tochter wahr-
scheinlich nicht. «Dabei sind die beiden auch
gesetzlich zu 100 % meine Kinder», sagt sie.
Die gesetzlichen Voraussetzungen
sind also auch in Zeiten der Ehe für alle
noch immer alles andere als ideal. Und
leider reklamieren immer wieder selbst-
ernannte Sittenwächter den politischen
Diskurs für sich. Ob jemand sich zum Eltern
-
sein eignet, entscheiden schliesslich ganz
andere Faktoren als die sexuelle Neigung.
THEMA
QUEER UND FAMILIE
42 States and 13 entities
Europe
16 States
Europe
18 States
RussiaFinland
AT
Italy
Croatia
Spain
Sweden
Norway
France
Portugal
HU
Romania
Bulgaria
Turkey
Denmark
Poland
Germany
Belarus
Ukraine
CZ
Slovakia
Greece
Cyprus
NL
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Ireland
RS
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Lithuania
Latvia
Estonia
LU
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Slovenia
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USA
Canada
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The Bahamas
Cuba
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El Salvador
Guatemala
Belize
Honduras
Nicaragua
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Jamaica
Haiti
Dom. Rep.
Virgin Islands
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Bolivia
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Brazil
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Ecuador
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Ethiopia
Eritrea
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Sudan
Egypt
Niger
Mauritania
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Somalia
Namibia
Libya
Chad
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South Africa
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D.R.
Congo
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Algeria
Madagascar
Mozambique
Botswana
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Central African
Republic
Tunisia
Morocco
Uganda
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Rwanda
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Coast
Liberia
Sierra Leone
Cape Verde
Guinea
Burkina F.
Gambia
Sao Tomé & Principe
Zimbabwe
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Guinea Bissau
Andorra
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Azerbaijan
Georgia
Kyrgyzstan
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Bahrain
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Maldives
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Sumatra
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Palau
Solomon
Islands
Vanuatu
Tonga
Cook Islands
Samoa
Tuvalu
Nauru
Kiribati
X
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X
The data represented in these maps
are based on
State-Sponsored
Orientation Laws: Criminalisation,
, an ILGA
report by Aengus Carroll and Lucas
Ramón Mendos. The report and these
maps are available in the six official
UN languages: English, Chinese, Arabic,
French, Russian and Spanish on
ILGA.org
. This edition of the world map
(May 2017) was coordinated by Aengus
Carroll and Lucas Ramón Mendos
(ILGA), and designed by Eduardo Enoki
(eduardo.enoki@gmail.com).
RECOGNITION
47 States
A small number of States provide for marriage and partnership concurrently
CRIMINALISATION
72 STATES
ILGA, THE INTERNATIONAL LESBIAN, GAY, BISEXUAL, TRANS AND INTERSEX ASSOCIATION
SEXUAL ORIENTATION LAWS IN THE WORLD - OVERVIEW
MAY 2017
I L G A . O R G
PROTECTION
85 States
Many States run concurrent protections
Religious-based laws alongside
the civil code: 19 States
DEATH
implemented in 8 States (or parts of)
not implemented in 5 States
Constitution 9 States
Employment 72 States
Various 63 States
Hate crime 43 States
Incitement to hate 39 States
Ban on 'conversion therapy' 3 states
14 Y - life (prison)
Marriage 22 States
Up to 14 Y
Partnership 28 States
'Promotion' laws
No penalising law
Joint adoption 26 States
2nd parent adoption 27 States
X
Separate detailed maps for these three categories are produced alongside this Overview map.
In green, yellow and orange countries, same-sex sexual
acts were decriminalised or never penalised: 123 States
3 States
57 States
14 States
Die aktuelle Situation zur Rechts- und Adoptionlage der LGBT*-Community wird jährlich von der ILGA (International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex
Association) in einer Karte dargestellt. Weitere Informationen auf www.ilga-europe.org.
42 States and 13 entities
Europe
16 States
Europe
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Germany
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Vanuatu
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Samoa
Tuvalu
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are based on
State-Sponsored
Homophobia: a World Survey of Sexual
Orientation Laws: Criminalisation,
Protection and Recognition
, an ILGA
report by Aengus Carroll and Lucas
Ramón Mendos. The report and these
maps are available in the six official
UN languages: English, Chinese, Arabic,
French, Russian and Spanish on
ILGA.org
. This edition of the world map
(May 2017) was coordinated by Aengus
Carroll and Lucas Ramón Mendos
(ILGA), and designed by Eduardo Enoki
(eduardo.enoki@gmail.com).
RECOGNITION
47 States
A small number of States provide for marriage and partnership concurrently
CRIMINALISATION
72 STATES
ILGA, THE INTERNATIONAL LESBIAN, GAY, BISEXUAL, TRANS AND INTERSEX ASSOCIATION
SEXUAL ORIENTATION LAWS IN THE WORLD - OVERVIEW
MAY 2017
I L G A . O R G
PROTECTION
85 States
Many States run concurrent protections
Religious-based laws alongside
the civil code: 19 States
DEATH
implemented in 8 States (or parts of)
not implemented in 5 States
Constitution 9 States
Employment 72 States
Various 63 States
Hate crime 43 States
Incitement to hate 39 States
Ban on 'conversion therapy' 3 states
14 Y - life (prison)
Marriage 22 States
Up to 14 Y
Partnership 28 States
'Promotion' laws
No penalising law
Joint adoption 26 States
2nd parent adoption 27 States
X
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In green, yellow and orange countries, same-sex sexual
acts were decriminalised or never penalised: 123 States
3 States
57 States
14 States
7
CR U I S E R SEPT EMBER 2017
A N Z EI G E
Die beiden erinnern sich noch gut an
die Besuche vom Jugendamt, als ihre Toch-
ter im Rahmen des Adoptionsverfahrens
ein Jahr lang begleitet wurde. «Am Anfang
habe ich noch Kuchen gebacken», lacht
Tatjana, «ich dachte, wir machen es hier
irgendwie nett.» Die Frau vom Jugendamt
habe dann auch sehr schnell gesehen, dass
bei ihnen alles in Ordnung ist. «Sie ist ganz
andere Zusnde gewohnt in den Haus-
halten, die sie betreut. Bei uns war das für
sie dann das Kaeestündchen zwischen-
durch.» (Lacht.)
Die Gesellschaft muss sich wandeln
Wenn es um das vermeintliche Kindswohl
geht, sieht sich eben jeder eingeladen, mit-
zudiskutieren, denn schliesslich war jeder
einmal Kind und weiss es deshalb besser.
Gutgemeinte Ratschläge von älteren Damen
an der Tramstation, dass man seinem Baby
doch bitte auch im Hochsommer lieber
Socken anziehen solle, sind allen Eltern
vertraut – bei gleichgeschlechtlichen Paaren
hört das Einmischen dann leider erst auf,
wenn die Grenzen zur Intimsphäre schon
eine Weile im Rückspiegel verschwunden
sind. Das dickere Fell brauchen nicht nur die
Eltern, sondern vor allem auch die Kinder.
Bis eine Gesellschaft sich wandelt,
braucht es Zeit. Wichtig ist, dass man sich
als Eltern der Verantwortung den Kindern
gegenüber bewusst ist und ihnen durch
positives Vorleben beibringt, mit merkwür-
digen Fragen umzugehen. «Ich fühle mich
schon in einer Verantwortung, die Fragen
zu beantworten, um die Ängste und Schub-
laden des Gegenübers abzubauen,» meint
Livia und Tatjana ergänzt: «Wenn jemand
ehrliches Interesse zeigt, sage ich immer: Ja,
klar kannst du nachfragen. Es liegt ja an uns
wie detailliert wir ausholen und da haben
wir zum Schutz unserer Kinder klare Gren-
zen. Nichtsdestotrotz braucht es diese Art
von Aufkrungsarbeit einfach noch An
der Beantwortung dieser Fragen kann eben
nicht nur ein einzelnes Kind, sondern die
ganze Gesellschaft wachsen. Das Interview
mit Tatjana und Livia gibt es auf Seite 28.
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, an ILGA
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Ramón Mendos. The report and these
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DEATH
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Constitution 9 States
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Hate crime 43 States
Incitement to hate 39 States
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Marriage 22 States
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C R U I S E R S o m m E R 2 017
sliPPery
SubjeCtS
VoN MARTIN MüHLHEIM
C
oming-out-Filme gibt es mittlerweile
viele, und entsprechend unterschied-
lich kommen sie daher: leichtfüssig-
komisch wie der britische Klassiker
Beautiful ing (1996), eher nachdenklich
wie das brasilianische Kleinod Seashore
(2015), bisweilen auch zutiefst tragisch so
im israelischen Drama Du sollst nicht lieben
(2009), das in der ultraorthodoxen Gemein
-
de in Jerusalem spielt.
Angesichts solcher Unterschiede er-
staunt es umso mehr, mit welcher Regel-
mässigkeit uns Coming-out-Filme Jungs oder
nner zeigen, die alleine, zu zweit oder in
Gruppen schwimmen gehen. Nun könnte
man das natürlich als Zufall oder Neben-
sächlichkeit abtun. Bei genauerem Nachden-
ken zeigt sich allerdings, dass sich gleich
mehrere Gründe für diese erstaunliche Häu-
gkeit nden lassen.
Nackte Haut ohne allzu viel Sex
Eine erste, nur scheinbar oberächliche Er-
krung ist, dass (halb)entblösste Körper
sich nicht bloss auf der Leinwand, sondern
auch auf Filmpostern und DVD-Covern äus-
serst gut machen. Schwimmszenen bieten
ein perfektes Alibi für das Zeigen von nack-
ter Haut: Sex sells, wie es so schön heisst.
Warum «Alibi»? Weil man – gerade bei
Filmen mit jungen Protagonisten aufpas-
sen muss: «Sex sells» mag zwar zutreen,
aber allzu explizite Sexszenen können
schnell mal zu hohen Altersfreigaben füh-
ren. Dies wiederum möchten Filmemacher
in der Regel vermeiden: Filme, die erst ab 18
freigegeben sind, lassen sich mlich weni-
ger einfach vermarkten. Auf Amazon.de
zum Beispiel werden Filme mit Altersfreiga-
be 18 nur an nachweislich volljährige Perso-
nen verkau und gerade r Coming-
out-Filme, die sich auch an ein junges Publi-
kum richten, ist dies sicher kein wünschens-
werter Eekt.
Schwimmszenen bieten hier eine per-
fekte Kompromisslösung: Man kann nackte
Haut lmisch ansprechend inszenieren, da-
bei aber allzu heisse Techtelmechtel tugend-
ha vermeiden (beispielsweise, indem der
Wasserspiegel immer über der rtellinie
bleibt, wie im niederländischen Film Jon-
gens, 2014). Um das Rezept knapp zusam-
menzufassen: Man nehme eine grosszügige
Portion feuchter Erotik, eine vorsichtige Pri-
se Sex und um Himmels Willen kein Körn-
chen Porno.
Eingetaucht ins Triebleben
Man täte den lesBischwulen Filmemache-
rInnen aber unrecht, wenn man ihre erzäh-
lerischen Entscheidungen allein auf nan-
zielles Kalkül reduzieren wollte. Es gibt
mlich auch ästhetisch-symbolische Grün-
de, die Schwimmszenen für das Genre inter-
essant machen.
Da wäre zunächst die Funktion des
Wassers als Symbol für das Unbewusste.
Dieses Unbewusste, so weiss man spätestens
seit Sigmund Freud, hat viel mit der Triebna-
tur des Menschen zu tun und so erstaunt es
nicht, dass Hauptguren auf der Suche nach
ihrer sexuellen Identität sozusagen symbo-
lisch in die Tiefen des Unbewussten eintau-
chen müssen, um ihr gleichgeschlechtliches
Begehren zu entdecken.
Figuren in der Schwebe
Darüber hinaus hat die Filmwissenschale-
rin Franziska Heller in ihrem Buch über die
Filmästhetik des Fluiden (2010) gezeigt, dass
schwimmende Figuren immer wieder als
«schwebende Körper» inszeniert werden: o
in Zeitlupe und seltsam herausgelöst aus
dem sonst zielstrebig voranschreitenden
Erhlprozess. Dieser Schwebezustand wie-
derum ist eine wunderbare visuelle Meta-
pher r die Phase kurz vor dem Coming-out:
Man ist nicht mehr der oder die Alte, aber
auch noch nicht ganz in der neuen Identität
angekommen. Ein Film macht das Schweben
sogar explizit zum ema: In Kinder Gottes
aus dem Jahr 2010 zeigt Romeo dem neuro-
tisch-verklemmten Johnny, wie befreiend
das «Floating» im Meer sein kann.
Neben der Inszenierung von Schwebe-
zuständen und dem Wasser als Symbol für
das Unbewusste ist drittens das Motiv von
Filme, die ersT ab 18
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CR U I S E R SEPT EMBER 2017
REPORTAGE
MARYS OLD TIMERS BAR
Die Mary’s Old Timers Bar war das älteste Männer lokal von Zürich. Die Besitzerin
war Mary Lang, die Bar existierte ab 1935. Jetzt wurde erstmals die Geschichte
dieser Bar aufgearbeitet.
MARY’S OLD TIMERS BAR –
DIE AUFARBEITUNG
EINER SPANNENDEN
GESCHICHTE
VON H AY M O E M P L
M
arys Old Timers Bar: Diese kleine,
gemütliche Bar an der Augustiner-
gasse 14 in der Altstadt von rich
gilt bzw. galt als die erste schwule Bar der
Schweiz. Nach dem Zweiten Weltkrieg wur-
de sie international bekannt und blieb es bis
zu ihrer Schliessung im Jahr 1975. Ihre lang-
hrige Wirtin, Mary Lang, verstarb 1977
mit 94 Jahren. Das Schwulenarchiv Schweiz
schreibt: «Mary führte ein klar geregeltes
Regime. Nicht jeden liess sie ein. Man muss-
te klingeln und ging die Türe auf, richteten
sich alle Blicke auf den Neuling. Ohne
Begleitung durch einen der Stammste
war der erste Zutritt fast unmöglich.» Der
ehemalige Journalist Stephan Jarray ist in
einem Aufsatz nun intensiv der Geschichte
der Bar auf den Grund gegangen. Sein Bei-
trag ist eben im Invertito, einer wissen-
schaftlichen Zeitschrift für Homosexuali-
t, erschienen.
Stephan, warum und wie bist du auf das Mary
Lang und die nnerbar gekommen?
Es war eine Auftragsarbeit. Ende 2014 fragte
mich das Schwulenarchiv an, ob ich den
Nachlass von Mary Lang ordnen und einen
Artikel darüber schreiben wolle. Der Nach-
lass umfasst über 1000 Items. Die Arbeiten
sind seit einem Jahr abgeschlossen, nun er-
scheint der Artikel «Vom Speakeasy zur
schwulen Herrenbar Geschichten und Le-
gendenbildung um die Marys Old Timers
Bar in Zürich (19351975) und ihre Besitzerin
Mary Lang (1884–1977)» im INVERTIER 18,
einer Zeitschrift von schwulen Historikern.
Bar an der Augustinergasse 14 in Zürich. Die Aufnahme stammt wahrscheinlich aus den späten 1950er-Jahren.
Fotos: Privatarchiv, Schwulenarchiv Schweiz. Fotografen unbekannt.
«NICHT JEDEN LIESS SIE EIN.
MAN MUSSTE KLINGELN UND
GING DIE TÜRE AUF, RICHTETEN
SICH ALLE BLICKE AUF DEN
NEULING
9
A N Z EI G E
REPORTAGE
MARYS OLD TIMERS BAR
Du schreibst, der Besitz von Mary wurde
von der Familie unter Verschluss gehalten.
Weshalb?
Wie es halt so geht: Da stirbt ein Mensch mit
einer ganz speziellen Geschichte, die Ver-
wandtschaft schämt sich womöglich und
hat keine Ahnung, was sie mit den übrig
Mary in ihrer Bar. Als Frau musste sie ein strenges
Regiment führen.
Fotos: Privatarchiv, Schwulenarchiv Schweiz. Fotografen unbekannt.
Mary Lang: Zeitlebens eine Dame.
gebliebenen Dokumenten anfangen soll. Im
Fall von Mary Lang verteilte ihre Familie
die Belege ihres Lebens auf verschiedene
Mitglieder. Und so gingen die Kisten verlo-
ren. Bis wieder jemand starb, dessen Nach-
kommen erneut damit konfrontiert wur-
den. 2013 hat so der Grossnee von Mary
Lang all die Kostbarkeiten entdeckt. Damit
kann endlich über 30 Jahre nach dem Tod
von Mary Lang ihr Leben und Wirken re-
konstruiert werden.
Hast oder hattest du irgendeinen persön-
lichen Bezug zu Mary Lang?
Nein, ich war noch zu jung, um das Innen-
leben der Bar zu entdecken. Aber ich wuss-
te schon als Jugendlicher, dass es eine ganz
spezielle Bar war man sprach hinter vor-
gehaltener Hand, dass darin nur «Schwule»
verkehren würden. Allerdings ist sie mir
durch die intensive Analyse ihres Nachlas-
ses und durch Zeitzeugen-Interviews sehr
viel näher gekommen. So nahe, dass ich
im Moment an einer Biograe mit dem
Arbeitstitel «Ich bin ein durchgehendes
Fräulein» über sie arbeite. Das Buch soll im
Verlag CoLibri erscheinen, wir suchen noch
Sponsoren.
10
CR U I S E R SEPT EMBER 2017
REPORTAGE
MARYS OLD TIMERS BAR
STEPHAN JARAY
Jg. 1948, 1968-1977 Universität Zürich:
Soziologie (Studium und Forschung),
Klinische Psychologie, Wirtschaftsgeschichte;
1978-2007 SRF (Schweizer Radio und
Fernsehen): Jour nalist, Redaktor, Produzent;
seit 2007 selbständig.
Der ausführliche Aufsatz über Mary Lang
erscheint im kommenden Invertito, dem Jahr-
buch für die Geschichte der Homosexualitäten
(Männerschwarm Verlag).
Die Bar wurde vor allem von amerikanischen
Soldaten besucht. In deinem Aufsatz gehst
du von 40 GIs pro Tag aus, welche die Herren-
bar besucht haben sollen. Wie stellst
du den
Bezug zur Homosexualität her? Angaben über
schwule Besucher existieren ja keine.
Nun, während des Zweiten Weltkriegs wur-
den 16 Millionen US-amerikanische Zivi-
listen (GI = Gouvernment Issues = Miliz-
soldaten) eingezogen. Darunter waren
natürlich
auch viele schwule nner,
Schätzungen zufolge waren es zwischen
650 000 und 1,6 Millionen. Zu Ende des
Krieges schenkte die US-Armee ihren GIs
eine Woche Ferien in der Schweiz. Inner-
halb von zwei Jahren kamen zwischen
300 000 und 500 000 Soldaten.
Dass im Durchschnitt 40 GIs pro Tag
die Bar besuchten, geht aus den Gästebü-
chern hervor Mary Lang führte akribisch
Buch über ihre Besucher. Wieviele davon
schwul waren, kann natürlich nicht mehr
festgestellt werden. Aber wir können mit
Fug und Recht davon auszugehen, dass es
ein nicht unerheblicher Teil war, der in der
Folge auch die lokalen Schwulen anzog, die
auf Uniformen standen.
Im Rahmen der Aufarbeitung des Nachlasses
hast du ja nicht nur die Dokumente ausgewer -
tet, sondern indirekt auch ein gesellschaft-
liches Bild zwischen 1940 bis 1970 dargestellt.
Welche Dekade war deiner Meinung nach für
Homosexuelle in rich am einfachsten?
Das ist eine schwierige Antwort, denn
un sere Erinnerung reicht normalerweise
höchstens zurück bis zum Beginn der gay
libera tion. Und das war nach 1969 (Stone-
wall-Aufstand in der Christopher Street am
28. Juni 1969).
Die Schweiz war 1942 zu einer Art
Insel für Homosexuelle geworden, weil ab
diesem Jahr Homosexualität zwischen er-
wachsenen nnern nicht mehr als straf-
bar galt, während in den ndern rundher-
um die Gesetze noch extrem blieben, über
viele Jahre hinaus. In England zum Beispiel
blieben homosexuelle Akte bis 1967 straf-
bar, auch in den eigenen vier Wänden.
Aber es wäre falsch, daraus zu schlies-
sen, dass die Schweiz wirklich eine liberale
Insel, ein safe haven, war – nach wie vor
führten die meisten ein Doppelleben, nur
schon aus beruichen und familren
Gründen. So passte wohl ein diskreter Ort
wie Mary›s Old Timers Bar gut in dieses
Doppelleben.
Im Mary’s Old Timers Bar gab es für die Herren
strikte Benimmregeln. Was galt es besonders
zu beachten, wie hatte man sich zu verhalten?
Es ng an bei der Kleidung: Ohne Krawatte
und Anzug kam keiner hinein. Zudem gab
es ein Götti-System: Ein Erstbesuch der Bar
war nur glich, wenn jemand dabei war,
der Mary Lang schon bekannt war.
Die Anmache selber beschrieb ein
Zeitzeuge so: «Das Flirten ging etwa um
halb zwölf so richtig los. Du konntest ja
nicht laut sprechen. Aber du hattest alle im
Auge und konntest so mit jedem irten.»
Die eigentliche Kontaktaufnahme fand
dann aber ausserhalb der Bar statt.
1974 wurde Mary 90 Jahre alt, sie galt als
älteste Barmaid der Schweiz. Du sprichst von
einem «traurigen End der Bar. Warum?
Unterdessen gab es andere Schwulen-Bars
in rich. Und die waren mehr mit der Zeit
gegangen, insbesondere nach der «gay libe-
ration». Die Zeit der Mary›s Old Timers Bar
war vorbei, es brauchte keinen Hafen mehr
für all jene, die ein Doppelleben führen woll-
ten oder mussten. Zudem war Mary physisch
nicht mehr in der Lage, den Laden alleine zu
führen. Und zu guter Letzt machte sich ihre
Familie stark, ihr allfällig angesammeltes
Vermögen selber zu brauchen. So wurde sie
zuerst in eine Alterswohnung gesteckt, dann
in eine Pension in der Innerschweiz, wo
sie möglicherweise verwirrt, vermutlich
sogar entndigt – am 17. Juli 1977 verstarb.
Was war denn Mary Lang deiner Meinung
nach nun r eine Person?
Wie muss eine Frau beschaen sein, um
sich erfolgreich in der nnerwelt durch-
zusetzen? Diese Frage stellt sich ja heute
auch noch, aber damals, vor über hundert
Jahren, war es wohl fast unmöglich, ohne
eine gewisse rte beruich erfolgreich zu
sein. Sie galt als liebenswürdig, aber un-
nahbar. Und es scheint, als habe sie sich nur
beruich verwirklicht. Einen kleinen Ein-
blick in ihr privates Leben geben Liebes-
briefe von zwei Verehrern. Aber diese datie-
ren alle von 1900 bis 1914 es sind fast 200.
Dass sie diese Liebesbeweise lebensläng-
lich aufbewahrt hat, spricht wohl Bände.
Darum mein Biograe-Titel «Ich bin ein
durchgehendes Fräulein».
«DASS IM DURCHSCHNITT 40 GIS
PRO TAG DIE BAR BESUCHTEN,
GEHT AUS DEN GÄSTECHERN
HERVOR MARY LANG FÜHRTE
AKRIBISCH BUCH ÜBER IHRE
BESUCHER
«EIN ERSTBESUCH DER BAR
WAR NUR MÖGLICH, WENN
JEMAND DABEI WAR, DER MARY
LANG SCHON BEKANNT WAR
Eines der letzten Bilder von Mary Lang. Sie wurde
kurz vor ihrem Tod sogar entmündigt.
11
CR U I S E R SEPT EMBER 2017
INTERVIEW
RICHARD GERE
VON M O E L M A P H Y
R
ichard Gere begrüsst mit einem brei-
ten Grinsen, funkelnden Augen und
einem ausgelassenen «Hallo!». Der
67-jährige Filmstar ist noch immer von
einer unverwechselbaren Aura umgeben.
In seinem schwarzen Anzug und dem vio-
letten Hemd mit oenem Kragen sieht Gere
sehr elegant aus und erweckt den Eindruck
eines Mannes, der mit sich selbst absolut im
Reinen ist. Ganz so aalglatt ist der Mann
dann im Cruiser-Interview aber doch nicht.
In der Interviewrunde, in welcher der
Schauspieler seinen aktuellen Film «e
Dinner» promoten sollte, beginnt er dann
auch gleich mit dem aktuellen Lieblingsthe-
ma aller Journalisten:
«Trump stammt aus einer Reality-TV-
Show und an ihm ist nichts echt. Von vorn-
herein nutzte (Trump) unsere Ängste aus.
Und Angst sst uns schreckliche Dinge
tun», sagte Gere. «Das Schrecklichste, das
Trump getan hat, war, zwei Wörter mitein-
ander gleichzusetzen Flüchtling und Ter-
rorist. Das ist traurig, denn ein «Flüchtling»
war zuvor jemand, für den wir Mitleid emp-
fanden, um den wir uns kümmerten, dem
wir helfen und Zuucht gewähren wollten.
Nun haben wir Angst und genau das ist
(sein) grösstes Vergehen. Wir dürfen nicht
vergessen, dass wir alle Menschen sind,
die gemeinsam auf diesem Planeten Erde
leben, füreinander da sein und einander
lieben sollten.»
Interessanterweise spielt Gere im Film
«e Dinner», der auf dem Bestseller des
niederländischen Autors Herman Koch be-
ruht, die Figur Stan, ein New Yorker Kon-
gressmitglied, das Gouverneur werden will.
Seine skrupellosen politischen Ins-
tinkte stehen im krassen Kontrast zu seiner
tiefgründigen Liebe und Sympathie für
seinen zutiefst gestörten und neurotischen
Bruder Paul (Steve Coogan).
Cruiser: Richard, Ihr Charakter im Film «The
Dinne ist nicht der, der er zu sein scheint,
wenn man bedenkt, dass der aalglatte Politi-
ker tatchlich über sehr viel Menschlichkeit
verfügt...
Gere: Das ist eine der interessanten Wen-
dungen im Film. Sie denken erst, dass mein
Charakter das Klischee des gewieften Poli-
tikers erfüllt, wenn jedoch die Fassade
bröckelt, dann stellen Sie fest, dass er
überhaupt nicht diese Art von Mensch ist.
Er versucht, seinem Bruder und der Situa-
tion, mit der sich alle konfrontiert sehen,
sehr viel Verständnis und Leidenschaft
entgegenzubringen.
Richard Gere ist derzeit auf Promotour für seinen
neuen Film «The Dinner». Cruiser nutzte die Gelegen-
heit für eine nette Plauderei mit dem Superstar.
«AN TRUMP IST NICHTS ECHT.
ER STAMMT
AUS EINER REALITY-
TV-SHOW.»
12
CR U I S E R SEPT EMBER 2017
INTERVIEW
RICHARD GERE
Über die Jahre habe ich gelernt, meine Wut
und Frustration zu kontrollieren und in der
Lage zu sein, meine Freude sehr viel leichter
und oener mit anderen zu teilen. Ich frage
mich stets, wie ich auf die Menschen um
mich herum positiv wirken kann ebenso
wie auf die Menschen, die ich tree, wo im-
mer ich gerade bin.
Richard Gere und Rebecca Hal im neuen Film «The Dinner».
Was fasziniert Sie pernlich am Film «The
Dinner»?
Ich habe die Arbeit mit Oren Moverman
schon in unserem letzten Film («Time Out of
Mind») sehr genossen und ich fand, dass
dies eine sehr interessante und faszinieren-
de Art von Drama war, die man nicht oft zu
sehen bekommt. Der Film ndet auf ver-
schiedenen Ebenen seinen Nachhall. Einer -
seits ist es ein Familiendrama, das sich um
den Konikt zweier Brüder dreht (gespielt
von Gere und Coogan), und als Spitze des
Eisbergs ssen sie eine Situation sen,
bei der es um etwas Schreckliches geht, das
ihre Kinder getan haben.
Sie tendieren dazu, bei Independent-Filmen
mitzuwirken – wie bei «The Dinne und den
meisten Ihrer ngeren Projekte der letzten
zehn Jahre. Wie kam es dazu?
Ich nde, dass die besten Filme von unab-
ngigen Produzenten und Regisseuren ge-
macht werden, die mit kleineren Budgets
arbeiten. Wenn mir ein grossartiges Pro-
jekt begegnet, das von einem der grossen
Hollywood-Studios realisiert wird, dann
re ich dabei, aber die Branche hat sich
verändert. Die Filme, die ich in den 70ern
und 80ern gedreht habe, wurden von grossen
Studios produziert. Solche Geschichten
werden nun als Low-Budget-Filme umge-
setzt und Sie ssen die Distributoren
förmlich anbetteln, sie zu zeigen.
Ich erinnere mich noch daran, was mir
der Chef eines Hollywood-Studios vor eini-
gen Jahren gesagt hat, als ich versucht habe,
einen kleinen Film zu realisieren, der mit
geringem Budget gedreht werden sollte und
bei dem die nanziellen Erwartungen und
das Risiko sehr gering auselen. Er sagte mir:
«Wir sind keine Branche für kleine Umsätze.»
r mich ist es also jetzt wichtig, gute
Geschichten zu erhlen. Und das tun zu
können, macht mich glücklich.
Wann haben Sie sich erstmals für Filme inte-
ressiert und angestrebt, das Schauspielern
zum Beruf zu machen?
Ich bin in einer Kleinstadt aufgewachsen
und hatte niemals die glichkeit, viele
Filme zu sehen. Erst im College begann ich,
europäische und asiatische Filme für mich
zu entdecken, was mir eine komplett neue
Welt erönet hat. Es war eine ganz andere
Form von Ästhetik verglichen mit den
standardssigen Hollywood-Filmen, die
ich zuvor gesehen habe. Und so begann ich,
über das Schauspielern nachzudenken und
ein Teil dieser Welt zu werden.
In der Vergangenheit sagten Sie einmal, dass
Sie Schwierigkeiten damit hatten, mit Ihrem
frühen Erfolg und der Aufmerksamkeit, die der
Hollywood-Ruhm mit sich brachte, zurechtzu-
kommen. Wie würden Sie diese Zeit mit Ihrer
heutigen Sicht auf die Dinge vergleichen?
Richard Gere war schon in jungen Jahren in Holly-
wood gefragt. Heute sagt er, er sei mit dem frühen
Ruhm kaum zurechtgekommen.
13
CR U I S E R SEPT EMBER 2017
A N Z EI G E
INTERVIEW
RICHARD GERE
Ich kann auch jede Art von Erfolg und
mein Leben sehr viel mehr, leichter und mit
Freuden schätzen als zu einem früheren
Zeitpunkt in meiner Karriere, als mir alles
noch so schwierig erschien.
Als Teenager stachen Sie bei der Gymnastik,
also im Turnunterricht, und Musik hervor. Hatten
Sie schon immer eine artistische Begabung?
Als Kind war ich immer ein Träumer und
habe sehr viel Zeit alleine verbracht, anstatt
sie mit Freunden zu verbringen. Ich denke,
dass meine Eltern, die sehr fürsorglich wa-
ren, sich oft gesorgt und über mich gewun-
dert haben. «Was stimmt denn mit diesem
Kind nicht?»
Irgendwann als Teenager zog ich mich
sehr stark zurück und wurde sehr introver-
tiert. Ich hörte auf, glücklich zu sein und das
hat wirklich Spuren bei mir hinterlassen.
Daher konnte ich die Zeit, in der ich jung
war und viele grosse Filme drehte, nicht ge-
niessen ebenso wenig den Erfolg, der mit
den Filmen einherging. Erst als ich mit dem
Studium des Buddhismus begann, war ich
in der Lage, mit all den Ängsten und Sorgen
umzugehen, die mich blockiert haben.
War die Entdeckung des Buddhismus ein
Wendepunkt in Ihrem Leben?
In meinem Leben passierten mir viele aus-
sergewöhnliche Dinge, aber nichts hatte
denselben Einuss auf mich wie der Bud -
d hi s mus, der mich gelehrt hat, zu verste-
hen, zu teilen und mich mir selbst zu ver-
pichten. Angesichts aller Unruhen, die wir
heute erleben, müssen wir unsere Energie
dafür aufwenden, Dinge zu verändern.
Was hat der Buddhismus Ihnen gegeben?
Eines der grössten Dinge, das ich lernen
musste, war Geduld. Viele Jahre lang war
«The Dinner» ist ein US-amerikanischer Spiel-
film von Oren Moverman. Der kammerspielartige
Thriller basiert auf dem Roman «Angerichtet»
von Herman Koch und schildert den drama-
tischen Verlauf eines Abendessens von zwei
Elternpaaren (dargestellt von Steve Coogan,
Laura Linney, Richard Gere und Rebecca Hall),
die versuchen, ein durch ihre Kinder begange-
nes Verbrechen zu vertuschen. Der Film wurde
am 10. Februar 2017 im Wettbewerb der 67. In-
ternationalen Filmfestspiele Berlin uraufgeführt.
ich sehr, sehr ungeduldig und das führte zu
sehr grosser Frustration. Wenn Sie Geduld
lernen, dann wird es viel einfacher, mit Situa -
tionen positiv umzugehen.
m
SAUNA
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CR U I S E R SEPT EMBER 2017
KULTUR
NATIONAL & INTERNATIONAL
KULTUR
LESUNG: ÉDOUARD LOUIS MIT SEINEM NEUEN BUCH «IM HERZEN DER GEWALT»
THE WOUND (LES INITIÉS)
Mit 22 Jahren landete Édouard Louis einen in-
ternationalen Bestseller. «Das Ende von Eddy»
hiess der autobiographische Roman des schwu-
len Intellektuellen, der den Underdogs in der
Gesellschaft endlich Gehör verschate. Zahl-
reiche Interviews und Auftritte auch zu politi-
schen emen waren die Folge, der Zweitling
wurde gespannt erwartet. (Wer sein erstes Buch
Eastern Cape, Südafrika. In einer abgele-
genen Bergregion unterziehen sich junge
nner einem archaischen Beschneidungs-
und Mannbarkeitsritual. Der Lagerist Xolani
aus Johannesburg wird dem rebellischen
Kwanda dabei als Mentor zur Seite gestellt.
Als Kwanda entdeckt, dass Xolani ein Ver-
ltnis zum verheirateten Vitcha pegt,
droht deren geheime Liaison aufzuiegen.
Hin- und hergerissen zwischen der Sehn-
sucht, endlich er selbst sein zu können, und
der Furcht, seine Liebe durch ein Outing
endgültig zu verlieren, gerät Xolani in einen
immer auswegloseren Konikt.
John Trengove, Regisseur des Filmes
zum Film: «‹e Wound› ist entstanden, weil
ich Interesse hatte, mich mit den Stereo-
typen auseinanderzusetzen, die im Kino
allzu oft mit schwarzer Männlichkeit ver-
bunden werden, sei es in Afrika oder an-
derswo. r mich als Weissen war es nicht
noch nicht gelesen hat: Wir haben in dieser Aus-
gabe eine ausführliche Rezension auf Seite 20.)
«Im Herzen der Gewalt» nun verarbei-
tet exakt das, was der Titel besagt: Fremden-
feindlichkeit, Homophobie und andere
Kfte zwischen den Menschen in der fran-
sischen und europäischen Gesellschaft.
Eine einzige Nacht im Leben des Protago-
nisten zeigt die ganze Tragödie unserer Zeit
auf. Zum Glück ist Schweigen für ihn keine
Lösung. Das Aufbegehren geht weiter.
Lesung und Gespräch.
Deutsche Lesung: Stefan Kollmuss
Donnerstag 21. September 2017 um 20.00 Uhr
Kaufleuten, Pelikanplatz, 8001 Zürich
selbstversndlich, das Leben ausgegrenz-
ter schwarzer Männer zu schildern und eine
mir fremde Welt in Szene zu setzen. Es war
sogar äusserst heikel. Es war mir wichtig,
dass sich diese Problematik in der Ge-
schichte selbst widerspiegelt. Deshalb habe
ich die Figur von Kwanda entwickelt, dem
diese traditionelle Welt fremd ist und dessen
Ansichten über Menschenrechte und indi-
viduelle Freiheit den meinen ähneln.»
In irrenden, intensiven Bildern er-
hlt «e Wound» von Homophobie und
nnlichkeitswahn in einer zwischen Tra-
dition und Moderne gespaltenen Gesell-
schaft, entführt uns in eine Welt von faszi-
nierender Fremdheit und berührt durch
seine intime Schilderung einer tragischen
Liebesbeziehung.
Der Film läuft ab sofort in den Kinos in der
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KULTUR
NATIONAL & INTERNATIONAL
DAVID BOWIE. THE MAN WHO FELL TO EARTH
Nicolas Roegs «e Man Who Fell to Earth»
von 1976 wurde ursprünglich als «be-
wusstseinserweiterndes Erlebni ange-
kündigt und verschlug der Kinowelt dann
tatsächlich die Sprache. Diese Tour de
Force der Science-Fiction als Kunstform
bescherte dem Publikum nicht nur hypno-
tische Bilder und explizite Kritik an der
modernen Konsumgesellschaft, sondern
auch Glam-Rock-Legende David Bowie,
der in der Rolle des paranoiden Ausser -
ir dischen namens Newton seine Ziggy-
Stardust-Persona weiter ausbaute.
Der Film nach Walter Tevis’ gleich-
namigem Science-Fiction-Roman von 1963
schildert die Erlebnisse des Ausserirdischen
Newton, der auf der Erde nach Wasser r
seinen Heimatplaneten sucht, dank seiner
überragenden Intelligenz und seines fort-
schrittlichen technologischen Wissens einen
Industriekonzern aufbaut und mit der
jungen Mary-Lou seine Sexualität entdeckt,
aber letztlich am gefühlskalten Egoismus
und der Oberächlichkeit der Menschen
zerbricht. Roeg entlockt seinen Darstellern
absolute Bestleistungen nicht nur Bowie
in all seiner ausserirdischen Entrücktheit,
sondern auch den Co-Stars Candy Clark,
Rip Torn und Buck Henry.
Zur Feier des 40. Jahrestags dieses
Kultlms präsentiert «David Bowie. e
Man Who Fell to Earth» eine Fülle von
Standbildern und Aufnahmen des Film-
fotografen David James von den Dreh-
arbeiten, darunter zahlreiche Fotos von
Bowie in schauspielerischer Bestform. Ein
neuer einleitender Essay setzt sich mit den
Dreharbeiten des Films und mit seiner
Be deutung für das Sci-Genre auseinan-
der unter Einbeziehung eines Exklusiv-
interviews mit David James, der Einblicke
aus erster Hand in die Entstehung dieses
Meisterwerks beisteuert.
David Bowie. The Man Who Fell to Earth
(Englisch). Gebundene Ausgabe von
Paul Duncan (Hg.). 480 Seiten.
ISBN: 978-3836562416 ca. CHF 14.90.
A N Z EI G E
16
CR U I S E R SEPT EMBER 2017
THEMA
LGBT*-FLÜCHTLINGE
Sie werden offenbar verfolgt, egal, wohin sie gehen. Menschen, die aus ihrer
Heimat geflohen sind, weil sie schwul oder lesbisch sind. An der Pride 2017 wollte
man auf die Flüchtlingsproblematik aufmerksam machen, diese ging aber im
lauten Getöse der Festivitäten beinahe etwas unter.
RAINBOW REFUGEES
GEWALT &
DISKRIMINIERUNG
IM ASYL
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CR U I S E R SEPT EMBER 2017
A N Z EI G E
THEMA
LGBT*-FLÜCHTLINGE
VON Y VONNE BEC K
I
n über 75 Ländern steht Homosexualität
unter Strafe. Der Iran, der Jemen, Saudi-
Arabien, Somalia und der Sudan sehen
die Todesstrafe vor, in anderen Ländern wie
Uganda, Bangladesch, Pakistan und Malay-
sia droht eine lebenslange Haft. Homopho-
bie gehört in vielen Ländern zum Alltag.
Sehr häug fehlt es zudem an Strafverfol-
gung und Rechtsschutz für Opfer von
homophob gepgten Gewaltübergrien.
Häug werden Strafverfahren eingestellt,
Polizeirapporte verweigert und mutmass-
liche Täter einfach wieder freigelassen.
Immer mehr Homosexuelle und Transse-
xuelle iehen vor Diskriminierung und Ge-
walt aus ihrer Heimat. Doch angekommen
in Europa werden sie nicht selten in den
Flüchtlingsunterkünften weiter terrorisiert.
Das Anrecht auf Asyl
Artikel 3 Absatz 1 des Asylgesetztes besagt:
«Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem
Heimatstaat oder im Land, in dem sie zu-
letzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion,
Nationalität, Zugehörigkeit zu einer be-
stimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauung ernsthaften Nach-
teilen ausgesetzt sind oder begründet Furcht
haben, solchen Nachteilen aus gesetzt zu
werden.» Als ernsthafte Nach -teile gelten
namentlich die Gefährdung des Leibes, des
Lebens oder der Freiheit sowie Massnah-
men, die einen unerträglichen psychischen
Druck bewirken. Die im ersten Absatz ent-
haltenen Verfolgungsmotive orien tieren
sich an der Genfer Flüchtlingskonvention.
Danach sind die Rasse, Religion, Nationali-
t und die Zugehörigkeit zu einer bestimm-
ten sozialen Gruppe die interna tional aner-
kannten Verfolgungsmotive. Weder die ge-
schlechterspezische Verfolgung noch die
Verfolgung aufgrund der sexuellen Orien-
tierung oder der geschlechtlichen Identität
als Verfolgungsmotiv wird erhnt. Da
das Asylgesetz und die Genfer Flüchtlings-
konvention kein spezisches Verfolgungs-
motiv vorsieht, werden Lesben, Schwule,
Bisexuelle, Intersexuelle und Trans sexuelle
einer «bestimmten sozialen Gruppe» zuge-
ordnet. Wenn jemand wegen der Zugehörig-
keit zur sozialen Gruppe der LGBTI verfolgt
wird und wenn es für diese Person keine
Möglichkeit gibt, in einem andern Teil ihres
Landes Zuucht zu nden, wird sie als
Flüchtling anerkannt und erhält Asyl, sofern
keine Gründe dagegen sprechen.
Ein Leben in ständiger Angst
Asylsuchende verlassen ihre Heimat, ihre
Sprache, ihre Kultur, ihre Freunde oder
IN DEN ASYLZENTREN LEBEN SIE
OFT INMITTEN VON MENSCHEN,
FÜR DIE HOMOPHOBIE LLIG
NORMAL IST.
CHECKPOINT IM GESPRÄCH!
DONNERSTAG
7. September 2017 19 Uhr
SEXUELL ÜBERTRAGBARE KRANKHEITEN
WO LAUERN DIE GEFAHREN?
Betroffene und Experten zeigen auf, wo die Risiken bei sexuell übertragbaren Krankheiten (STI)
liegen und welche Schutzstrategien es gibt.
Bringt eure Fragen zu HIV, Syphilis, Chlamydien, Tripper und Hepatitis (Big 5) mit und bringt
sie in die Diskussion ein wir freuen uns auf Euch!
Anschliessend sind alle herzlich zu einem Apéro eingeladen.
Programm:
18.30 Uhr Türöffnung
19.00 Uhr Podiums- und Publikumsdiskussion
20.15 Apéro
«Checkpoint im Gespräch» findet im Kulturhaus Helferei, in der Kirchgasse 13, 8001 Zürich statt.
Keine Anmeldung erforderlich – Weitere Informationen: mycheckpoint.ch/de/zh/checkpoint-im-gespräch
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THE
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CR U I S E R SEPT EMBER 2017
auch Partner, ihre Familie, ihre Arbeit in
der Honung auf eine bessere Zukunft. Was
sie jedoch zuerst erfahren ist Einsamkeit,
Unsicherheit, Zweifel und Hilosigkeit.
Gerade für homosexuelle Flüchtlinge und
asylsuchende Trans-Menschen sind die Zu-
stände häug noch schlimmer, denn ihre
Diskriminierung hört in der Schweiz nicht
auf. In den Asylzentren leben sie oft inmit-
ten von Menschen, für die Homophobie
völlig normal ist. In manchen Sprachen gibt
es nicht einmal einen sprachlichen Begri
für gleichgeschlechtlich liebende Menschen
oder es gibt nur Wörter mit beleidigender,
despektierlicher Bedeutung. So hat die ara-
bische Umgangssprache kein positiv be-
setztes Wort für «Homosexuelle». Hier wer-
den Schwule meist nicht mal in der eigenen
Familie akzeptiert. Sie sind eine Schande.
Manche Eltern zwingen ihre Kinder, zu Ärz-
ten zu gehen, die sie heilen sollen. Denn in
vielen ndern gilt Homosexualität immer
noch als Krankheit. In Europa kann sich
kaum jemand vorstellen, was es heisst, sei-
ne geschlechtliche Identität verstecken zu
müssen, sich nie outen zu dürfen und seiner
sexuellen Orientierung nur im Verborgenen
nachgehen zu können und noch dazu mit
der ständigen Angst leben zu ssen,
entdeckt zu werden. Doch genau das haben
die meisten homosexuellen Flüchtlinge ihr
Leben lang erfahren.
Homophobie in Asylunternften
Derzeit kommen die meisten Menschen, die
in der Schweiz Asyl suchen, aus Eritrea,
Syrien und Guinea. In allen drei Ländern ist
Homosexualität illegal, gesellschaftlich ta-
buisiert und wird mit Gefängnis bestraft.
Aber auch hier in der Schweiz gehören sie
nirgendwo so richtig dazu. Asylsuchende
leben am Rande der Gesellschaft und gera-
de LGBT-Asylsuchende scheuen den Kon-
takt zu ihren eigenen Landsleuten in der
Schweiz aus Angst von ihnen weiterhin dis-
kriminiert zu werden. Besonders schlimm
ist es in den Flüchtlingsheimen, wo unter-
schiedlichste Menschen auf engstem Raum
zusammengepfercht werden. Homosexuel-
le, die in der Schweiz Asyl suchen, leben zu-
sammen mit teils homophoben nnern.
Die Gefahr von Übergrien, Diskriminie-
rung, Mobbing und körperlicher Gewalt
gegenüber LGBT-Flüchtlingen ist gross. Die
Toleranz gegenüber Homosexualität ist bei
vielen Flüchtlingen sehr gering und oft
werden religse oder moralische Hal-
tungen im Exil sogar noch stärker emp-
funden und gelebt als in den Heimat-
ndern. Homophobie im Flüchtlingsheim
ist kein Einzelfall. Immer wieder werden
Frauen und nner wegen ihrer Sexualität
von anderen Fchtlingen diskriminiert.
Genaue Zahlen darüber gibt es jedoch
nicht, denn viele Betroene schweigen aus
Scham und Angst.
Ein kleiner Lichtblick: In Deutschland
wurden inzwischen für homosexuelle und
transsexuelle Flüchtlinge, die in ihrer Un-
terkunft akut bedroht sind, eigene Unter-
künfte eingerichtet. In den neuen Unter-
künften blühen die Bewohner regelrecht
auf. Zum ersten Mal erleben sie, wie es sich
anfühlt, beschützt und nicht diskriminiert
zu werden. Zum ersten Mal in ihrem Leben
rfen sie sein, was sie sind, ohne dafür
verspottet, geschlagen oder gar getötet zu
werden. Bleibt zu hoen, dass diese Unter-
künfte auch in der Schweiz Ableger nden.
Angst vor dem Outing
Bei homosexuellen Flüchtlingen sind Angst
und vor allem Scham viel präsenter als bei
anderen Flüchtlingen. Dadurch treten sie in
Anhörungen häug recht zögerlich auf und
verstricken sich in Widersprüche. Vielfach
assoziieren die meisten von ihnen schlim-
me Erfahrungen mit Beamten und Polizis-
ten. Es wird häug vergessen, dass es unter
den Asylanten sehr viele Opfer von physi-
scher, psychischer und sexueller Gewalt
gibt. Viele gewalttätige Übergrie gingen
vom eigenen Umfeld oder sogar der eigenen
Familie aus, manche von staatlichen Orga-
nen. Folter, Haft und Stigmatisierung ste-
hen in vielen Ländern der Erde für «An-
dersliebende» auf der Tagesordnung. Ihre
Angst gegenüber Beamten ist also nicht un-
begründet. Hinzu kommt ein Misstrauen
gegenüber den Dolmetschern, die oft aus
ihrem eigenen Kulturkreis stammen. Die
Angst ist gross, dass durch die Dolmetscher
in der Landesgemeinschaft bekannt werden
könnte, dass die asylsuchende Person ho-
mosexuell ist. Tatsächlich kommt es immer
wieder vor, dass Dolmetscher abwertende
Bemerkungen gegenüber LGBT-Asylsu-
chenden machen und sie sogar beleidigen.
Daher denken sich viele Flüchtlinge andere
Fluchtgründe aus, denn ein Outing kommt
für sie aus Angst nicht in Frage. Wie kann
man auch von einem schwulen oder lesbi-
schen Geüchteten verlangen, mit einem
wildfremden Menschen oen über Sexuali-
t, Liebe und Sehnsüchte zu sprechen? Et-
was, das die meisten von ihnen ihr Leben
lang angstvoll vor den anderen verstecken
mussten.
Fazit:
Bessere Schulung und Aufklärung der ent-
scheidenden Beamten und Dolmetscher,
die bei den Anhörungen oft eine Schssel-
rolle einnehmen, sind dringend notwendig.
Bisher ist nicht auszuschliessen, dass «Ent-
scheider» mit dem Fluchtgrund Homosexu-
alität häug nichts anzufangen wissen, die
psychische Fragilität der Asylsuchenden
komplett falsch einschätzen, indiskrete
Fragen (wie nach Sexualpraktiken) stellen
oder beim Antrag durch Unwissenheit ne-
gativ entscheiden.
ZUM ERSTEN MAL IN IHREM
LEBEN DÜRFEN SIE SEIN, WAS
SIE SIND, OHNE DAFÜR VER-
SPOTTET, GESCHLAGEN ODER
GAR GETÖTET ZU WERDEN.
OFT WERDEN RELIGIÖSE ODER
MORALISCHE HALTUNGEN IM
EXIL SOGAR NOCH STÄRKER
EMPFUNDEN UND GELEBT ALS IN
DEN HEIMATLÄNDERN.
ASYLSUCHENDE LEBEN AM
RANDE DER GESELLSCHAFT UND
GERADE LGBT-ASYLSUCHENDE
SCHEUEN DEN KONTAKT ZU
IHREN EIGENEN LANDSLEUTEN
IN DER SCHWEIZ AUS ANGST
VON IHNEN WEITERHIN DISKRI-
MINIERT ZU WERDEN.
Flüchtlinge haben viel gesehen – LGBT*-Flüchtlinge
müssen zudem noch ihre sexuelle Ausrichtung
angstvoll verstecken.
THEMA
LGBT*-FLÜCHTLINGE
19
CR U I S E R SEPT EMBER 2017
KOLUMNE
MICHI RÜEGG
SOMEWHERE
THE RAINBOWS OVER
Michi Rüegg versucht anhand eines bekennend
rassistischen Hundes die Unvenderbarkeit der
Rainbow-Flag zu begründen.
VON M I C H I R Ü E GG
M
eine beste Freundin lebte eine Wei-
le am Roten Meer in Ägypten. Dort
lief ihr ein Hund zu. Er war noch
relativ jung, als er beschloss, fortan der
Hund meiner besten Freundin zu sein. Zu
Beginn ignorierte sie das Tier, das ihr auf
Schritt und Tritt folgte. Nach einer Weile
gab sie ihren Widerstand auf, seither lebt
der Hund an ihrer Seite. Ägypter sind in
der Regel nicht sonderlich nett zu Hunden.
Das muss auch dieses Exemplar als Welpe
er lebt haben, jedenfalls kann er Ägypter
nicht ausstehen. Europäer hingegen mag er
grundsätzlich.
Dabei verabscheut der Hund nicht nur
Ägypter, sein Hass dehnt sich auf alle Ara-
ber aus. Wobei er auch koptische Christen
anknurrt, seine Intoleranz beschnkt sich
nicht auf den Islam. Nachdem meine beste
Freundin ihren wiederum besten (vierbei-
nigen) Freund in die Schweiz importiert
hatte, lebten die beiden eine Weile ausser-
halb von rich. Als während des Arabi-
schen Frühlings in den Nachrichten am TV
ein Mann Arabisch sprach, bellte der Hund
den Fernseher an.
Manchmal nahm sie das Tier mit zur
Arbeit. Als Frau und Hund eines Abends
durchs Enge-Quartier spazierten, begegne-
ten sie einer jüdisch-orthodoxen Familie.
Der Hund beschloss spontan, die Juden
lauthals anzubellen. Die Familie rannte pa-
nisch davon. Die Szene war meiner besten
Freundin zu Recht etwas peinlich, konnte
man sie doch für eine Nazi-Braut halten, die
ihrem Schäfer-Mischling (mit viel Fantasie
liess sich darin etwas Derartiges erkennen)
gewaltsamen Antisemitismus antrainiert
hatte. Vermutlich erkannte der Hund die
gemeinsamen Wurzeln der arabischen und
der hebischen Sprache. Oder aber er
mochte Bärte nicht. Glücklicherweise zogen
beste Freundin und Hund nach Mexiko,
bevor hierzulande die Hipster aus allen
chern krochen. Der Hund wäre dieser
Tage in Zürich sehr mit Bellen bescftigt.
Schnappi, so heisst der Hund, ist be-
kennender Rassist. In seiner Kindheit taten
ihm Araber ein Leid an, also reagiert er ne-
gativ auf Araber. Das ist kein besonders re-
ektiertes Verhalten, passt aber zu seinem
auch sonst nicht sonderlich leistungsstar-
ken Hundehirn. Von Menschen erwarten
wir zu Recht, dass sie zu etwas mehr Abs-
traktion fähig sind. Das klappt leider nicht
immer, wie man weiss. Immer wieder wer-
den etwa dunkelhäutige Menschen diskri-
miniert. Aus diesem Grund soll nun die Re-
genbogenagge um zwei Farben ergänzt
werden – Braun und um Schwarz. Wobei
sich noch immer die Geister an der Frage
scheiden, ob Schwarz tatsächlich eine Far-
be ist. Schwarz und Braun stehen oen-
WESHALB ASIATINNEN UND
ASIATEN NICHT AUCH IRGEND-
WIE MIT EINEM BLASSEN GELB
VERTRETEN SIND, ERSCHLOSS
SICH MIR BIS DATO NICHT.
sichtlich für Menschen schwarzer und
brauner Hautfarbe. Also so genannte «Afri-
can Americans» und Latinos. Weshalb Asia-
tinnen und Asiaten nicht auch irgendwie
mit einem blassen Gelb vertreten sind, er-
schloss sich mir bis dato nicht.
Die Übung ist ein Tabubruch. Die
Rainbow-Flagge subsummiert alle sexuel-
len Minderheiten. Und Dunkelhäutigkeit ist
meines Erachtens noch keine Sexualität,
auch wenn so mancher weltoene rcher
seine pene trante Fixierung auf schwarze
Schwänze als sexuelle Pgung sieht.
Manchmal erscheint am Himmel ein
Regen bogen. Ein schönes Naturschauspiel.
Re genbogen ren irgendwie weniger
schön, wenn sie am Himmel plötzlich auch
in den Nuancen Schwarz und Braun erschie-
nen. Das passt irgendwie nicht zum Him-
mel. Auch wenn schwarz schimmerndes
Licht vermutlich hammermässig aussehen
würde. Die strahlende Dunkelheit, quasi.
Gibt es in der Szene Rassismus? Zwei-
fellos. Wir sind Menschen, ausgestattet mit
denselben Schchen, die auch Schnappi,
den Hund, plagen. Manche von uns rften
seinen IQ auch nur knapp erreichen. Ande-
re sind wahnsinnig clever und trotzdem
Arschlöcher. Die Regenbogenagge ver-
sucht unserer Vielfalt gerecht zu werden.
Ihre Farben stehen für das Leben (Rot), Hei-
lung (Orange), das Sonnenlicht (Gelb), die
Natur (Grün), Harmonie und Frieden (Blau)
und Geist (Violett). Welche Symbolik könn-
te man Schwarz und Braun andichten?
Schwarz wie unsere Darkrooms. Und Braun
wie... Nein, lassen wir das.
20
CR U I S E R SEPT EMBER 2017
KULTUR
BUCHTIPP
Buchtipp
Édouard Louis: Das Ende von Eddy
Preis CHF 14.90
ISBN (Taschenbuch) 9783596032433
Der Autor liest am 21.9. im Kaufleuten Zürich.
Details in der «Kultur» auf Seite 14.
Schwul sein in einem Dorf – das geht auch im Jahr 2017 nicht. Des Schriftstellers
Alter Ego muss sich im furiosen Debutroman der kollektiven Abwehrreaktion der
Dörfler stellen.
DAS ENDE VON EDDY
VON BIRGIT KAWOHL
D
em Autor Édouard Louis, geboren
1992 als Eddy Bellegueule in der
nordfransischen Picardie, ist mit
«Das Ende von Eddein bemerkenswertes
Debüt gelungen. Das Grundthema der
Coming of Age-Geschichte «Wie wächst
man als Kind und Jugend licher in einem
Dorf in der französischen Provinz, das
von Vorurteilen und Diskriminierung ge-
prägt ist, auf ist eng verwoben mit der
Co ming-out-Erzählung des Protagonisten.
Louis schildert diese Gratwanderung be-
wundernswert souven in seinem Roman,
der autobiograsche Züge tgt.
«An meine Kindheit habe ich keine
einzige glückliche Erinnerung Der Ro-
man beginnt mit einem Paukenschlag,
dem man sich kaum entziehen kann. Ein
erster Satz, der den Leser sofort in seinen
Bann zieht und in die Handlung hineinka-
tapultiert. Man möchte den Ich-Erzähler,
den Jugendlichen Eddy Bellegueule, ohne
zu zögern trösten. Zugleich beginnt man,
diese Aussage mit seinen eigenen Kind-
heitserinnerungen abzugleichen und ist
dann froh, wenn man diesen Satz so nicht
unterschreiben würde.
Eddy also ist eins von fünf Kindern
eines Fabrikarbeiters und einer Altenpege-
rin, die immer zu wenig zum Leben verdie-
nen. So vernachlässigen sie nicht nur die
Erziehung und das Wohl der Kinder, nach
und nach gerät Eddys Vater auch immer
mehr in einen Abwärtsstrudel. Die anstren-
gende Arbeit lässt ihn erkranken, was dieser
wiederum als Gelegenheit nutzt, sich ganz
aus dem Arbeitsleben zurückzuziehen und
fortan nur noch zu saufen. Dies tut er am
liebsten mit seinen Kumpeln, die dann in
ihrer sonstigen Sprachlosigkeit Reden ge-
gen die Afrikaner («alles Verbrecher») und
an dere Randgruppen schwingen. Eddy
selbst fällt schon früh auf und durch seine
Attitüden, die man schnell als «schwul» be-
zeichnet, aus dem Rahmen des dörichen
Mitei nanders, das an enge Regeln gebunden
ist: Frauen kümmern sich um den Haushalt,
nner haben das Sagen, bringen im bes-
ten Fall das Geld nach Hause und rfen
sich ansonsten als wahre Machos alles leis-
ten, es sind ja eben nner. Wenn man sich
in solch einer Umgebung als Junge dann
nicht für Fussball und Raufen interessiert
und Mädchen am liebsten hat, wenn man sie
schminken darf, hat man es natürlich
schwer. So kommt es zu Hänse leien und kör-
perlichen Quälereien, denen der junge Eddy
dadurch zu entgehen versucht, dass er sie
zuerst verdrängt und sich dann dazu ent-
schliesst, sein Leben zu ändern. Mit dem
sich mantraartig eingeredeten Motto «Heute
bin ich ein echter Kerl» denkt Eddy, sein
Schwulsein besiegen zu können. Er schat
sich dazu ein Mädchen an, mit dem er
«geht», er lernt Namen von Fussballspielern
auswendig, doch alles sinn los. Seine gröss-
ten Glücksmomente hat er beim Nachspie-
len von Hetero-Pornos mit drei Freunden
und dem Tanzen in der Disco, wenn er sich
unauällig an Fremden reiben kann. Damit
wird ihm dann auch bald klar, dass er sein
Anderssein nicht wegdenken kann, es wird
immer zu ihm gehören.
Daher gibt es für ihn nur eine Chance,
dem dörichen Terror zu entiehen, er
muss auf die weiterführende Schule gehen
und damit von zu Hause ausziehen. Dass
ihm das am Ende gelingt, lässt den Leser,
der zwischenzeitlich sicherlich immer wie-
der ob der Ignoranz und Brutalität mit der
man mit dem Jungen umgeht, verzweifelt,
MIT DEM SICH MANTRAARTIG
EINGEREDETEN MOTTO «HEUTE
BIN ICH EIN ECHTER KERL»
DENKT EDDY, SEIN SCHWULSEIN
BESIEGEN ZU KÖNNEN.
beruhigt zurück. Man kann letztlich sogar
die Honung haben, dass Eddy den Ein-
gangssatz bezogen auf sein weiteres Leben
anders formulieren würde. Dass er selbst
der Sprachlosigkeit, die das nie geäusserte
Manifest der Arbeiterklasse im Dorf dar-
stellte, entkommen ist, sieht man an diesem
Werk bestens.
21
CR U I S E R SEPT EMBER 2017
KOLUMNE
MIRKO
DAS BESTE POTENZMITTEL IST
EIN RICHTIGER KATER
VON M I R KO
S
ummertime and living is easy. Keine
Zeit für troubles. Umso mehr Bock auf
Männer und alles, was damit so zu tun
ist. So sehe ich das. Sich die Limmat runter-
treiben lassen mit meinen Bros auf dem Auf-
blas-Einhorn. Irgendwie alles geht. Aber ich
habe mich auch es bitzli durchgearbeitet die-
sen Sommer. Jetzt wo meine Kolumne ein Jahr
alt ist, han i dänkt, ich check mol alles dure.
Ich war an Prides. Ha welle wüsse, obs überall
so schwierig tüend wie z Züri oder ob easy li-
ving anderswo einfacher ist. Und es ist. De-
nitiv, aber s Gäld verdiene tuen i doch lieber z
Züri, dass das klar isch. Ja, shit, Body Sha-
ming. Irgendwie interessiert’s mi nöd im
Summer. Ja, mir gfallet die Hunks mit Fuess-
ballerärsch i Badhose und au gäge duretrai-
nierti Oberschenkel han i gar nüt. Alles dra,
wo dra muess sie, und vo dem, wo mir gfallt,
nöd zwenig. E chli Sonne und ein paar Drinks,
dann kriege ich von denen dann auch, was ich
will. Chasch glaube. Ja, aber eben, das mit
dem Idealbild. Ist es schlimm, dass ich den
Jungs hinterhersteige, wo gliichvil i guets Us-
seh investiere wie ich und das au no mit Erfolg
mached? Wie gseit, ich habe alles mal durch-
gecheckt, was es denn so gibt im Homoland.
Ich dachte, gut, die Bären gibt’s, mal schauen,
wies in der Welt der behaarten Bierbäuche so
zu- und hergeht. Ich bin ja nun kein Bär, nicht
mal ein Jungbär, mängisch en Problembär,
das scho, aber nöd vom usgseh her. Habe
dann den Berliner CSD grad genutzt, um mal
die Bärenclubs zu besuchen. Mal schauen,
wie die bessere Welt aussieht, in der nicht
nach den Idealmassen gesucht wird. Chasch
vergässe. Ich geh rein und zack, hab ich die
Typen hinter mir her. Nein, ich bin kein Bär,
am Body han i grad en Treasure Trail vom
Bauchnabel abe, nd ich auch hot, aber Mann,
mehr Haar han i nöd, echt. Und Bierbauch,
vergiss es, lean muscles, kei Fett, gar nüt. Wird
also nichts mit dem alternativen Ideal bei den
Bären. Villicht im Kochareal, aber da gibt’s
dann umgekehrtes Body Shaming. Und ich
lasse mich nicht gerne dumm anmachen, nur
weil ich auch auf mein Aussehen achte, sorry,
dumm bin i darum no lang nöd, au wenn das
viele hoen. Ah nei, ich mein nöd, dass sie hof-
fe, ich sigi dumm, will, ja ich weiss, dumm
ckt gut. Nei, eifach weil sies gerechter n-
den, wenn schöne Menschen dumm ren.
Sorry, chan ich nöd diene. Ich dänke gärn. De
Teil mit em Ficke, das kann ich auch, ohne
dumm zu sein. Uf Troubles han i kei luscht
gha. Summertime and living is easy han i mir
gseit und han de Flüger gnoh uf Kroatie. Cool,
he. Eine andere Welt. In der Ferienwohnung
mit meinen Bros. Einfach mal geniessen, ver-
giss, was richtig und falsch und was in Züri
alles diskutiert wird. Hier nge ich einfach in
der Sonne, esse mich gesund: Hlap, Jastog,
Kamenice zum Abwinke, chan ich mir süsch
ja nöd leiste. Wenn denn so eifach da bisch,
denn passiert alles. S Läbe cha so eifach sii, ich
säg dir, und dann ist’s nur noch toll. Villicht
machen wir hier nicht die grosse Kunst, wo-
bei... Ein paar Kunststücke waren schon da-
bei, shit, was man alles tun kann, wenn man
einfach das tut, wo mer grad luscht druf het.
Kei Body Shaming, aber die Type sind ou alli
saumässig sexy gsi, fuck. Im Gratisheftli woni
auf dem Weg zur Arbeit i de S-Bahn Züri lese,
stand, dass Alkohol Männer schwul macht,
isch mir z Sinn cho. Ja, hani dänkt, Alk macht
nöd schwul, he, Alkohol macht Männer geil
und je mehr Alk, desto mehr wollen sie cken
und dann kommt’s dann selbst dem straigh-
testen Straight irgendwann nicht mehr drauf
an, ob de Mensch am andern Ende der Bar ei-
nen Bart hat oder nicht. Ja, und mal ehrlich,
wenn d denn so volltankt bisch, isch es auch
besser, einen Mann mit nach Hause zu neh-
men. Weil dann läuft eh kaum mehr Blut zwi-
schen die Beine. Aber villicht hoentlich bim
andere Junge noch. Da besteht wenigstens die
Honung, dass es so dann doch noch Spass
auf der Matratze oder im Gang oder im Bad
oder i de Chuchi git oder wo denn d Hose
grad sackt, villicht ja scho ufem Heiweg de
Spass isch denn grad nöd eso versatile, chli
eisiitig halt. Aber wenn man so richtig breit
war am Abend, ist man ebenso total geil mit
Duurständer am Morgen drauf. Kenne mir
alli. And then: Time for revenge. Öppe so isch
Kroatie gsi. Easy living halt.
IST ES SCHLIMM, DASS ICH
DEN JUNGS HINTERHERSTEIGE,
WO GLIICHVIL I GUETS USSEH
INVESTIERE WIE ICH?
ICH BIN JA NUN KEINR, NICHT
MAL EIN JUNGBÄR, MÄNGISCH
EN PROBLEMR, DAS SCHO,
ABER NÖD VOM USGSEH HER.
FICKE, DAS KANN ICH AUCH,
OHNE DUMM ZU SEIN.
22
CR U I S E R SEPT EMBER 2017
SERIE
WAS MACHT EIGENTLICH
In unserer losen Serie stellen wir Ikonen aus vergangenen Dekaden vor, berichten
über gefallene Helden und hoffnungsvolle Skandalsternchen aus längst ver-
gangenen (Gay-)Tagen. David Hasselhoff ist im Sommer 75 Jahre alt geworden,
seine Baywatch-Babes haben die Gays nie wirklich interessiert, die männlichen
Rettungsschwimmer aber schon...
IKONEN
VON DAMALS
VON JOHANNES SCHMITT-TEGGE
O
b als Michael Knight im Auto K.I.T.T.
oder als Rettungsschwimmer Mitch
Buchannon: In den 80er- und 90er-
Jahren war David Hasselho ein Weltstar.
Inzwischen ist es um ihn ruhiger geworden.
Im Rückblick würde der Schauspieler trotz-
dem kein bisschen anders machen. Am 17.
Juli feierte er seinen 65. Geburtstag, kom-
mendes Jahr geht er auf grosse Tour in Euro-
pa. Grund genug «e Ho» nach dem Stand
der Dinge zu fragen.
Cruiser: Man kennt Sie vor allem als Rettungs
-
schwimmer aus «Baywatc. Wienden Sie
den Film mit Dwayne Johnson und Zac Efron,
der jetzt aus der einst so erfolgreichen TV-
Serie geworden ist? Sie haben darin eine
Gastrolle.
Hasselho: Das «Baywatch», das wir ge-
macht haben, war nicht das «Baywatch»,
das ich wollte. Als es mir angeboten, wurde
mir klar, dass es ein Witz werden und sie
sich darüber lustig machen würden. Aber
Dwayne Johnson ist ein Freund von mir und
ich kenne Zac Efron, der so ein netter Kerl
ist. Deshalb habe ich mich entschieden
mitzumachen. Ich wusste, wenn ich «Nei
sagen würde, wären alle damit überfordert.
tten Sie gern eine grössere, ernsthaftere
Rolle gehabt?
In Hollywood machst du, was dir angeboten
wird, und du versuchst, das Beste daraus zu
machen.
23
CR U I S E R SEPT EMBER 2017
SERIE
WAS MACHT EIGENTLICH
A N Z EI G E
Wie war es, Pamela Anderson, die auch einen
Cameo-Auftritt hat, nach all den Jahren in
dem Zusammenhang wiederzusehen?
Mein Leben dreht sich nicht um Pamela und
das hat es auch nie. Ich habe nichts als An-
erkennung für sie. Ich nde, sie ist eine un-
glaublich nette, coole Person. Sie ist sehr
witzig und sehr gut in dem, was sie macht.
ngen wir zusammen ab? Nein.
Ihre andere sehr erfolgreiche Serie war «Knight
Rider». Was nnen wir vom dazugehörigen
Film erwarten, der 2018 erscheinen soll?
Das weiss ich nicht. Harvey Weinstein (der
Produzent, Anm. d. Red.) hat gesagt, ich soll
mitspielen und es soll eine Komödie sein.
Die Gespräche liefen nicht so positiv, wie
ich sie gerne gehabt hätte.
Und die neue Serie, die «Knight Rider» wie-
derbeleben soll?
Ich weiss nicht, aber ich hoe, dass es keine
Parodie wird. Ich hoe, sie wird dem Origi-
nal gerecht. Keiner, der die Serie gesehen
hat, will, dass sich darüber lustig gemacht
wird. Es war wie die Ritter der Tafelrunde.
Er (Hauptgur Michael Knight) ist ein
Ritter in strahlender stung nur, dass er
schwarzes Leder tgt.
Identifizieren sich die Menschen heute noch
mit Ihnen?
Ich denke immer, das wird verschwinden,
aber dann gehe ich in einen Friseursalon
und werde belagert. Alle Leute wollen Fotos
mit mir machen. Woher kennt Justin Bieber
mich? Es hat oensichtlich nichts mit
«Knight Rider» zu tun, er ist 23 Jahre alt. Die
Serie lief acht Jahre, bevor er geboren wur-
de. Irgendwie ist mein Ruf bei diesen Kids
immer noch halbwegs cool. Ich habe keine
Ahnung, warum.
Seine Abstürze scheinen vergessen zu sein, David
Hasselhoff hat sich einigermassen gut gehalten.
Dennoch steckt seine Karriere in einer Sackgasse.
«MEIN RUF IST IMMER NOCH
HALBWEGS COOL»
Tip Top
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Celebration! 50 Years of Petra
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CR U I S E R SEPT EMBER 2017
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C R U I S E R j U n I 2 017
reporTage
gAY n urSing
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VON TOBIAS URECH*
(alle Name von der Cruiserredaktion geän-
dert), der von Zeit zu Zeit Stricher aus Osteuro-
pa zu sich einlädt, die er im Internet kennenge-
lernt hat. Diese nutzen ihn dann aus, indem sie
extra Geld verlangen, weil er HIV-positiv ist.
«Ohne zusätzlich zu zahlen, würden die Stri-
cher ihn niemals anfassen auch weil sie nicht
wissen, wie sich HIV überträgt. Rolf hat des-
wegen auch massive Geldprobleme Es gebe
halt viele Brandherde bei den Patienten und
Patientinnen, sind sich die beiden einig. Das
sei typisch für ihre Arbeit. «Trotzdem bin ich
heute noch begeistert von meiner Arbeit. Sie
bietet einen breiten Einblick in das Leben un-
serer Patiente, betont Bucher.
Hoi, du Zwätschge!»
Bucher und Fauchs pegen sowohl schwule
Patienten als auch heterosexuelle Patienten
und Patientinnen. Es fragt sich, was nun das
«Gay Nursing» von normaler Spitex-Pege
unterscheidet. «Das Gay Nursing hat mit
einer gewissen schwulen Kultur zu tun», er-
krt Fauchs. Als Beispiel erhnt er den
über achtzighrigen Peter. Er liess sich zu-
nächst von einer normalen Spitex-Pegerin
pegen und fühlte sich unwohl. «Weil er sich
verstecken musste.» So behte er sich,
mit der Pflegerin über betont männliche
emen – über Fussball und Ähnliches – zu
reden. Nun, wo er Fauchs als Peger hat,
kann Peter seine schwule Identität, die ihn
durch das Leben begleitete, wieder zeigen.
Zur Begssung steht er jeweils schon an der
Tür und empfängt François mit einem
neckischen «Hoi, du Zwätschge!». Sowieso
seien sie mit allen schwulen Patienten gleich
per Du. Es gibt so etwas wie eine automati-
sche Verbundenheit.
Ein anderer Patient habe einen Partner
mit einem Latexfetisch. Da sei eine junge
HIV im Alter
Doch wie sieht es mit der Situation HIV-
positiver Menschen aus? «Vor zehn Jahren
betreuten wir einige sterbende Aids-Patienten.
Die waren aber nicht alle schwul. Viele
waren auch Drogenabhängige, die sich in
diesem Kontext mit HIV angesteckt hatten.»
Heute sehe es allerdings anders aus:
«HIV-positive Menschen sterben nicht mehr
oder nur noch ganz selten an Aids, weil die
neuen Medikamente gut wirken und die
Krankheit unter Kontrolle gehalten wird»,
erklärt Fauchs. Dafür kommen andere
Herausforderungen auf die beiden zu. Ein
unterschätztes Problem sei zum Beispiel der
Alkoholkonsum, erzählen sie. Viele ältere
Schwule hätten die meiste Zeit ihres Lebens
rauchend in einer Szenebar verbracht. Dass
das nicht spurlos an einem vorbeigeht, mer-
ke man dann spätestens im Alter. Allerdings
sei Altersalkoholismus ein Problem, das
durchaus auch Heterosexuelle betree.
«Manchmal werden die HIV-positiven
Schwulen im Alter auch ausgenützt», sagt
Fauchs. So erzählen sie vom Patienten Rolf
«mancHmal Werden die
HiV-posiTiVen scHWulen im
alTer aucH ausgenüTzT.»
A N Z EI G E
Wahrheit zu akzeptieren. Aber ich würde
nichts ändern. Ich bin gesegnet. Ich will
einfach noch 20 Jahre am Leben bleiben.
ZUR PERSON
Der in Baltimore (Maryland) geborene David
Hasselhoff wurde mit den TV-Serien «Knight
Rider» und «Baywatch» weltberühmt. Als Pop-
sänger war er unter anderem mit den Titeln
«Looking for Freedom», «Crazy for You» und
«Everybody Sunshine» erfolgreich. An seinen
Höhenflug und das Millionenpublikum der 80er-
und 90er-Jahre konnte er trotz verschiedener
Filmprojekte, Serien und Musikalben sowie als
Schauspieler am Theater aber nicht mehr an-
knüpfen. Er hat zwei Töchter und ist fünffach
geschieden. Seit sechs Jahren ist er mit einer
walisischen Verkäuferin liiert und inzwischen
verlobt. (DPA)
SERIE
WAS MACHT EIGENTLICH
Wie erkren Sie sich Ihre Fanbasis in Europa,
vor allem in Deutschland, Österreich und der
Schweiz?
Damit, dass ich 1989 am Neujahrsabend in
Deutschland vor einer Mil lion Menschen ge-
sungen habe und der erste Amerikaner war,
der dort seit 1945 gesungen hatte. Und weil
mein Song «Looking for Freedom» das Wort
Freiheit enthielt. r die Menschen in Ost-
deutschland und Ostberlin war das ein sehr
wichtiges Wort, weil sie nicht frei waren.
tten Sie imckblick in Ihrem Leben etwas
anders gemacht?
Wahrscheinlich nicht. Ich habe Herz, Hu-
mor und Action in jedes Drehbuch gesteckt.
Ich suche immer noch nach Freedom, ich
suche immer noch nach gutem Entertain-
ment. Ich hatte eine grossartige, beschei-
dene, glückliche, erfolgreiche Karriere. Ich
würde höchstens mehr darauf achten, die
David Hasselhoff als Mitch Buchannon in der Serie
«Baywatch», ca. 1990.
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CR U I S E R SEPT EMBER 2017
KULTUR
BUCHTIPP
Buchtipp
Krzysztof Charamsa: Der erste Stein. Als
homosexueller Priester gegen die Heuchelei der
katholischen Kirche
Preis CHF 29.90
ISBN 9783570103272
Schon als Junge entschloss sich Krzysztof Charamsa, Priester zu werden.
Später entdeckte er, dass er schwul ist. Kann das gehen?
HADERN MIT
DER KIRCHE
VON BIRGIT KAWOHL
D
as Buch ist schon äusserlich ein ra-
niert gemachter Hingucker, bildet es
doch den zum Glück ziemlich gut-
aussehenden Charamsa auf dem Hinter-
grund eines minimal geöneten Kragens
einer Soutane ab. Krzysztof Charamsa also,
1972 in Polen geboren, lange Zeit im Dienste
der Kirche stehend, veröentlicht hier seine
Autobiograe, die zugleich eine Anklage-
schrift gegen die katholische Kirche, ihr
System und ihr Denken darstellt. Denn, und
das macht das Buch auch inhaltlich zu
einem Hingucker, Charamsa ist schwul,
also um es nochmals ganz deutlich zu sa-
gen: Er war ein Priester, der hiermit öent-
lich kundtut, ein Mann zu sein, der mit
nnern schft. Dass das natürlich in der
katholischen Kirche Wellen schlagen muss,
ist klar. Wie sieht es aber bei Lesern aus, die
nicht im System Kirche gefangen sind?
Kann er mit seiner Schrift auch Laien oder
gar Atheisten überzeugen?
Wir lernen einen Mann kennen, der
sich schon als kleiner Junge nicht zu ver-
gessen, er wurde im erzkonservativen und
vom katholischen Glauben bestimmten
Polen geboren davon träumt, Priester zu
werden und später alles daransetzt, diesen
Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Hier-
für nimmt er auch die kasernenartigen Un-
terkünfte im Priesterseminar Bettzeit für
alle nner ist um zehn Uhr in Kauf und
passt sich den zum Teil abstrusen Anforde-
rungen an. Er durchläuft schliesslich die
notwendigen Etappen des Aufstiegs und er-
reicht sein Ziel, die Aufnahme in die Glau-
benskongregation, dessen 2. Sekretär er im
Jahr 2011 wird. Zu diesem Zeitpunkt ist ihm
schon lange klar, dass er schwul ist. Dies ist
besonders pikant, da die Glaubenskongre-
gation, das Sant' Uzio, quasi der Geheim-
dienst oder die Inquisitionsbehörde des
Vatikans ist. Dort wird spioniert, geurteilt
und gnadenlos verurteilt oder auch ge-
schwiegen, wenn es zum Beispiel um Miss-
brauchsfälle innerhalb der Kirche geht.
Hier fragt sich der Leser dann schon, musste
das sein? Verständlich ist sicherlich, dass
ein im katholischen Glauben erzogener,
polnischer Junge den Berufswunsch Pries-
ter hegt. Verständlich ist auch noch, dass
sich aus diesem Ber