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cruiser
DAS GRÖSSTE
SCHWEIZER
GAY-MAGAZIN
APRIL 2018 CHF 8.10
cruiser
DAS GRÖSSTE
SCHWEIZER
GAY-MAGAZIN
SCHWULE
FUSSBALLER
Schuss, Kuss
und Strafraum
PINK APPLE
Alles über das Filmfestival
POLITIK
So tickt rich nach den Wahlen
HIV
Diskriminierung am Arbeitsplatz
Redsch du mit
dim Huusarzt
über Sex?
Ha mi bis itz
nid getrout.
Är aber o nid!
ViiV Healthcare GmbH, Talstrasse 3–5, 3053 Münchenbuchsee
HIV – WISSEN SCHAFFT VERTRAUEN
Sprich mit Deinem Arzt über die Themen
SEX, CHEMS und HIV. Aber auch darüber,
wie Du Dich am besten vor HIV schützen
kannst. Solltest Du eine Risikosituation ge-
habt haben, dann lass Dich testen und von
Deinem Arzt beraten.
Durch einen oenen Umgang mit dem Thema HIV hilfst Du
mit, Vorurteile und Ängste abzubauen, eine Infektion früher zu
erkennen und die Ausgrenzung von Menschen mit HIV zu
stoppen.
Gemeinsam schaen wir’s!
JA!
Achte beim nächsten Arztbesuch
auf diesen Sticker!
CH/HIV/0007/18/09.03.2018/03.2018
JA!
Hier darfst du offen über
Sex und HIV reden
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Redsch du mit
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HIV – WISSEN SCHAFFT VERTRAUEN
Sprich mit Deinem Arzt über die Themen
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kannst. Solltest Du eine Risikosituation ge-
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5
IMPRESSUM
CRUISER MAGAZIN PRINT
ISSN 1420-214x (1986 – 1998) | ISSN 1422-9269
(1998 – 2000) | ISSN 2235-7203 (Ab 2000)
Herausgeber & Verleger Haymo Empl, empl.media
Infos an die Redaktion redaktion@cruisermagazin.ch
Chefredaktor Haymo Empl
Stv. Chefredaktorin Birgit Kawohl
Bildredaktion Haymo Empl, Astrid Affolter. Alle Bilder
mit Genehmigung der Urheber.
Art Direktion Astrid Affolter
Agenturen SDA, DPA, Keystone
Autor_Innen Vinicio Albani, Yvonne Beck, Haymo Empl,
Andreas Faessler, Birgit Kawohl, Andreas Lehner, Moel
Maphy, Mirko, Barbara Munker, Michi Rüegg, Alain Sorel,
Peter Thommen (online)
Korrektorat | Lektorat Birgit Kawohl
Anzeigen anzeigen@cruisermagazin.ch
Christina Kipshoven | Telefon +41 (0)31 534 18 30
WEMF beglaubigte Au age 11 539 Exemplare (2016)
Druck Druckerei Konstanz GmbH
Wasserloses Druckverfahren
REDAKTION UND VERLAGSADRESSE
Cruiser | Clausiusstrasse 42, 8006 Zürich
redaktion@cruisermagazin.ch
Telefon +41 (0)44 586 00 44 (vormittags)
Haftungsausschluss, Gerichtsstand und weiterführende
Angaben auf www.cruisermagazin.ch
Der nächste Cruiser erscheint am 4. Mai 2018
Wir vom Cruiser setzen auf eine grösstmögliche Diversität
in Bezug auf Gender und Sexualität sowie die Auseinander-
setzung mit diesen Themen. Wir vermeiden darum sprach-
liche Eingriffe in die Formulierungen unserer Autor_Innen.
Die von den Schreibenden gewählten Bezeichnungen
können daher zum Teil von herkömmlichen Schreibweisen
abweichen. Geschlechtspronomen werden entsprechend
implizit eingesetzt, der Oberbegriff Trans* beinhaltet
die entsprechenden Bezeichnungen gemäss Medienguide
«Transgender Network Schweiz».
INHALT
6
TITELTHEMA FUSSBALL
10
KULTUR KURZNEWS
12
CRUISER SPECIAL
PINK APPLE FILMFESTIVAL
14
INTERVIEW TIM K. WIESENDANGER
16
KOMMENTAR WAHLEN 2018
18
NEWS NATIONAL & INTERNATIONAL
20
INTERVIEW HIV AM ARBEITSPLATZ
22
KULTUR BUCHTIPP
24
KULTUR
INTERVIEW ALEXANDER SEIBT
26
KOLUMNE MIRKO
28
SERIE HOMOSEXUALIT
IN GESCHICHTE UND LITERATUR
31
KOLUMNE MICHI RUEGG
32
KOLUMNE ANDREAS LEHNER
33
RATGEBER DR. GAY
34
KOMMENTAR LGBT IN HOLLY WOOD
EDITORIAL
Liebe Lesenden
Nachdem sich die LGBT*-Gemeinde zumindest in Zürich über das
Wahlergebnis des vergangenen Monats freuen kann, dazu ein
Rückblick in dieser Ausgabe, sollte man meinen, dass Diversity
nicht nur als Schlagwort, sondern auch im gelebten Sinn in der
Gesellschaft angekommen ist. Aber, um einmal mit Asterix zu
sprechen, in der ganzen Gesellschaft? Nein, ein kleiner Bereich
widersetzt sich hartnäckig dem Toleranzgedanken – gemeint
ist der Fussball, der sich weiterhin als echte Männerdomäne
versteht. Wie es einem schwulen Schiri geht, beleuchtet Cruiser
in dieser Ausgabe. Daneben liegt ein Fokus auf den diversen
Formen queerer Kultur: Wir schauen einen
schwulen Film, besuchen ein Trans-
gender-Musical und und und. Lasst euch
also überraschen und unterhalten!
Herzlich; Birgit Kawohl
Stellvertr. Chefredaktorin
CRU I S E R A P R I L 2018
6
CRU I S E R A P R I L 2018
6
VO N H AYMO E M PL ( T E X T & IN T E R V I E W )
J
ustin Fashanu, der erste Fussball-
pro , der sich 1990 während seiner
sportlichen Karriere als homosexuell
outete, erhängte sich 1998. Kurz zuvor
wurde er in den USA wegen sexueller Nöti-
gung angeklagt. Er soll sexuellen Verkehr
mit einem 17-jährigen Fussballschüler ge-
habt haben, der ihn nach eigenen Angaben
erpressen wollte.
Folgt man Statistiken zur demogra -
schen Häu gkeit von Homosexualität in der
nnlichen Bevölkerung, müssten in den
grösseren Clubs theoretisch mehrere schwu-
le Spieler spielen. Nur, wo sind die? Das e-
ma Homosexualität wird im Pro fussball
entweder stark emotionalisiert oder tabui-
siert, ein generelles Phänomen innerhalb
dieser Sportart. Wir erinnern uns: Trainer
Christoph Daum stellte noch im Jahr 2008
Homosexualität und Pädophilie in densel-
ben Kontext. Legendär auch die Aussage des
kroatischen Nationaltrainers Otto Baric im
Jahr 2004: «Ich erkenne einen Schwulen in-
nerhalb von zehn Minuten, und ich möchte
ihn nicht in meinem Team haben
Dann kam  omas Hitzlsperger: In ei-
nem Interview mit der Zeitung Die Zeit sag-
te der ehemalige Spieler: «Ich äussere mich
zu meiner Homosexualität. Ich möchte gern
eine ö entliche Diskussion voranbringen
die Diskussion über Homosexualität unter
Pro sportlern». Er war damit der erste pro-
minente (deutsche) Pro fussballspieler, der
ö entlich erkrte, schwul zu sein. Hitzls-
pergers Schritt wurde von Sportlern,
Sportfunktionären und Politikern gelobt
und fand in der nationalen und internatio-
nalen Presse große Beachtung. Seither hat
sich einiges – aber nicht besonders viel
getan: In den Kinos ist der schwule Fuss-
ball lm «Mario» angelaufen und Spitzen-
Schiedsrichter Pascal Erlachner outete sich.
TITELTHEMA
FUSSBALL
Liebe im
Abseits
Homosexualität ist im Fussball immer noch weitgehend tabu. Der Film «Mario»
macht aus diesem Missstand ein authentisches Drama und Schiri Pascal
Erlachner hat sich unlängst geoutet. Zeit also für eine Bestandsaufnahme.
7
M
ario ist ein talentierter Stürmer in
der U21 der Berner Young Boys. Er
hat einen ehrgeizigen Vater im Rü-
cken, Teamkollegen aus aller Welt, mit de-
nen er sich gut versteht – und beste Aussich-
ten auf einen Wechsel in die Erste
Mannschaft. An diesem entscheidenden
Punkt seiner Fussballerkarriere taucht ein
neuer Stürmer aus Deutschland auf, Leon
(Aaron Altaras). Marios Teamkollegen und
sein Vater sind alarmiert ob der Konkur-
renz. Und Mario? Der ist verliebt.
Leidenschaft und Verleumdung
Kurz nachdem die beiden Stürmer in eine
gemeinsame Spielerwohnung gezogen sind,
kommt es zum Kuss. Erst weist Mario den
o ensiven Leon zurück, doch sein Wider-
stand lt nicht lange an. Bald entspinnt
sich eine zarte Liebesgeschichte, die ge-
prägt ist von Leidenschaft, Heimlichtuerei,
Verleumdung und Angst.
Ist ein schwuler Fussballer 2018 wirk-
lich noch ein Aufreger? Ja. «Es tri t zu, dass
sich bis heute in der Super League kein
TITELTHEMA
FUSSBALL
A N ZE IG E
Schwule im Strafraum
Ein Schweizer Spiel lm über einen schwulen Profi fussballer? Das
sorgt für Polarisierung, dürfte sich mancher Kinogänger denken.
Doch «Mario», der neue Film von Marcel Gisler, zielt genau auf das
Gegenteil.
Leon (links) erschüttert Marios Welt gehörig.
«Mari ist eine sich und den Zuschauern
Zeit lassende Anklage gegen das Leugnen und
Totschweigen, gegen Lug und Trug.
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Rücken / Schulter 329.–
8
CRU I S E R A P R I L 2018
TITELTHEMA
FUSSBALL
Spieler als homosexuell geoutet hat», sagt
Wanja Greuel, CEO bei YB. Der Berner Club
unterstützte Regisseur Gisler und die Auto-
ren omas Hess und Frédéric Moriette bei
der Drehbuchentwicklung und stellte
Teamlogo und Infrastruktur für die Drehar-
beiten zur Verfügung.
Marcel Gisler macht wirtschaftliche
Faktoren dafür verantwortlich, dass sich
Pros nicht outen. «Fussball ist ein Testos-
terongescft, da wird ein traditionelles
nnlichkeitsbild vermarktet», sagt er. Und
Cruiser: Pascal, weshalb hast du dich zu
einem Outing entschlossen? Duttest ja
auch weitermachennnen wie bisher.
Pascal: Ich wollte mit diesem «Doppelleben»
nicht mehr weitermachen, das war vor allem
beim ersten Outing gegenüber meinen El-
tern der Grund. Ich hatte keine Lust und
Kraft mehr, mich immerzu verstecken zu
müssen, ich wollte so sein, wie ich bin. Ich
hatte es schlicht auch satt, immer Ausreden
ernden zu müssen und letztendlich wollte
ich mich auch mit meinem Partner zeigen
können. Das erste Outing war bei meinen El-
tern mit Dreissig, danach ging es dann
schrittweise voran ich habe mich diesbe-
züglich mehr und mehr meinem Umfeld ge-
önet. Ich stellte dann fest, dass es erst für
viele Leute etwas fremd war, sobald sie aber
die Gelegenheit hatten, Fragen dazu zu stel-
len, wurden Klischees und Vorurteile abge-
baut. Besonders in der Fussballwelt war das
Gespräch ein wichtiger Faktor; ich leite seit
über drei Jahren Spiele in der Super League
und bin auch nach dem Outing immer noch
genau die gleiche Person, ein Aspekt, den ich
durch dieses Outing klar zeigen konnte.
Der Tagesanzeiger schrieb: «Dass Erlachner
schwul ist, wussten alle, die ihn besser ken-
nen. Im privateren Rahmen und auch bei den
Schiedsrichterkollegen hat er kein Geheimnis
solange sich dieses Bild so gut verkaufe, sei
ein schwuler Fussballer ein Tabu. «Die Last
der Selbstverleugnung tragen allein die
schwulen Spieler.» Genau auf dieses innere
Dilemma konzentriert sich der Film. Mario
ringt mit sich, gibt sich Leon hin, zieht sich
wieder zurück und legt sich sogar eine Ali-
bi-Freundin zu. Diese Zerrissenheit spielt
Max Hubacher, der 2012 für «Der Verding-
bub» mit dem Schweizer Filmpreis ausge-
zeichnet wurde, überaus überzeugend.
«Mario» ist weder laut noch aufrüh-
rerisch. Vielmehr erzählt Gisler die stille,
aber umso berührendere Geschichte einer
grossen Liebe, die sich so auch in einem an-
deren Kontext eines «Liebesverbotzutra-
gen könnte.
Der Film Mario läuft in vielen Kinos in der
Deutschschweiz.
«Ich hatte genug von meinem
Doppelleben»
Im Dezember wurde die Fussballschweiz von einem Outing erschüttert. Pascal Erlachner thematisierte
seine Homosexualität öffentlich. Der Spitzen-Schiedsrichter ist der erste Mann im Schweizer Profifuss-
ball, der sich während seiner Karriere outet.
«Die Last der Selbstverleugnung
tragen allein die schwulen Spieler
9
CRU I S E R A P R I L 2018
TITELTHEMA
FUSSBALL
Benjamin Kololli war nach dem Match vol-
ler Emotionen und hatte dann direkt ein
Mikrofon vor der Nase und wurde zu die-
sem ema befragt. Mich selbst hat das
Statement des Fussballers nicht getroen,
denn ich weiss, wie emotional ein Spiel sein
kann. Ich war seither zwei Mal Schiedsrich-
ter in einem Match mit besagtem Fussballer
und das lief wie immer. Ich gewichte diese
Aussage wirklich nicht allzu stark.
Durch dein Outing stehst du nun von allen
Seiten unter grosser Beobachtung: Ist das
nicht ein enormer Druck, den du dadurch
aufgebaut hast?
Den haben wir ja bei jedem Spiel und das
hat sich nach dem Outing nicht geändert.
Vielleicht schaut der eine oder andere etwas
genauer hin bei mir als Person, aber meine
Kompetenz ist ja nach wie vor dieselbe.
Du bist Schiedsrichter, aber auch Lehrer und
Politiker. In den Medien wurde der Fokus auf
deine Schiedsrichtertätigkeit gelegt, wie
wurde das Outing aber im Umfeld als Lehrer
aufgenommen?
Auch hier: Die Schüler haben reagiert, und
zwar positiv. Mir ist einmal mehr aufgefallen,
dass Kinder grundsätzlich nichts gegen Ho-
mosexualität haben das ändert sich dann
erst mit der Sozialisation, wenn quasi «von
aussen» entsprechende Einüsse kommen.
In den Kinos läuft nun «Mario». Der Schweizer
Film über einen schwulen Fussballer von
Marcel Gisler. Hast du den Film schon gese-
hen? Wenn ja, was löst dieser Film bei dir aus?
Ich habe den Film nun bestimmt schon
sechsmal gesehen und ich habe mich auch
intensiv damit auseinandergesetzt – ich war
ja auch auf vielen Podiumsdiskussionen
rund um den Film. Er zeigt Momente, die
ich selbst auch erlebt habe. Doppelleben,
sich verstecken, nicht zu sich stehen kön-
nen, verbotene Liebe, die doch eigentlich
gar nicht verboten sein sollte… Ich konnte
mich mit vielen Filmszenen identizieren
und anderen – auch ausserhalb der Fuss-
ballwelt – wird es genauso gehen.
Warum ist Sexualität im nnerfussball
eigentlich so ein Thema?
Dieses ema ist grundtzlich bei Mann-
schaftssportarten ein spezielles. Vielfach
sind es einfach Ängste, die damit verbun-
den sind, vor allem wenn es um Homosexu-
alität geht. Die Angst davor, gemobbt und
damit ausgegrenzt zu werden, ist eektiv
nach wie vor stark vorhanden.
Fussballer wirken in den Interviews oft ein
bisschen – entschuldige bitte die Pauschali-
daraus gemacht. Er zeigt sich mit seinem
Partner. Den Schritt an die Öffentlichkeit hat
er sich lange überlegt und ihn dann konse-
quent verfolgt.» Offenbar war deine Homo-
sexualität ein offenes Geheimnis: Warum hast
du dich dennoch letztendlich öffentlich
geoutet? Und vor einem Millionenpublikum?
Es gab im Vorfeld einige Medien und Jour-
nalisten, denen meine Homosexualität be-
kannt war. Ich hatte aber das Gefühl, dass –
wenn ich diesen Schritt öentlich machen
würde – ich eine Vorbildfunktion wahrneh-
men könne. Gegenüber Jugendlichen, aber
auch gegenüber Erwachsenen, die selbst
noch damit hadern. Ich wollte damit zeigen,
dass ich auch nach einem Coming-out noch
respektiert und akzeptiert werde. Ich per-
sönlich nde das ema Toleranz und Ak-
zeptanz sehr wichtig. Letztendlich ist die
Botschaft: Ich werde auch nach diesem
Schritt nach wie vor als Lehrer, Gemeinde-
rat, Schiedsrichter und Mensch akzeptiert.
Nun sind einige Monate vergangen seither
wie waren die Reaktionen?
Es gab unglaublich viele Reaktionen, auf al-
len Kanälen und sogar per Briefpost. Diese
Rückmeldungen waren durchweg positiv.
Manche fragten, ob ich denn noch Spiellei-
ter im Fussball sein könne, da ich im ent-
sprechenden DOK-Film sehr oen über
mich erzählte. Ich wurde auch auf dem
Platz diesbezüglich angesprochen, auch
hier entstanden manchmal Gespräche, die
letztendlich positiv endeten.
Die Ringier Medien sind voll des Lobes für
dein Outing. «Blick» konnte sich kaum mehr
beruhigen und machte dich zum grossen
Thema. Das provozierte auch Reaktionen.
Lausanne-Spieler Benjamin Kololli (25) sagt
nach einem Spiel gegen Lugano: «Das ist
seine Meinung, seine Wahl. Wir leben in einer
Welt, in der alles passieren kann. Wir haben
sein Outing innerhalb des Teams besprochen.
(...) Hätte sich ein Spieler geoutet, wäre es
negativer aufgefasst worden. Es re schwe-
rer zu verdauen gewesen.» Auf die Frage,
ob es bei Lausanne auch Homosexuelle gibt,
meint er: «Ich hoffe nicht. Aberglich ist
es. Wenn es sore, sollte der Betreffende
es lieber für sich behalten.» Wie stehst du zu
dieser Aussage?
sierung – dümmlich. Kann es sein, dass das
Niveau der Fussballer einfach generell etwas
tief ist und es daher keinen Platz hat r eine
Auseinandersetzung mit dem Thema «Homo-
sexualität»?
Es gibt durchaus auch Spieler, die sehr intel-
ligent sind und bei manchen liegt halt der
Fokus beinahe ausschliesslich auf dem
Fussballspiel. Ich würde das daher nicht
verallgemeinern und sagen, dass alle Fuss-
baller dumm sind. Ich habe als Schiedsrich-
ter und als Spieler sehr viele verschiedene
«Fussballer» kennen gelernt und würde da-
her diese Aussage nicht unterschreiben. Sie
haben halt einfach oft andere Interessen als
«Homosexualität» und daher fehlt auch eine
aktive Auseinandersetzung mit dem ema.
Wie vermutet ist ein «Massenouting» aus-
geblieben, nach dir hat sich nun kein anderer
Spieler und kein anderer Schiedsrichter im
Fussball mehr geoutet. Bist du enttäuscht
darüber?
Ich hatte diesbezüglich keine Erwartungen.
Es wäre schön, wenn vielleicht noch jemand
sonst den Mut aufbringen würde und nach-
ziehen könnte. Ich selbst kann nur sagen,
dass ich es jederzeit wieder machen würde.
1991 hat der deutsche Filmemacher in
einer TV Sendung viele Prominente zwangs-
geoutet – er nannte die Namen von allen
schwulen Kollegen. Wäre das auch eine Stra-
tegie, um die starren Strukturen im nner-
fussball aufzubrechend?
Ich denke, ein Massenouting würde nicht
viel bringen. Wenn ich jemanden kennen
würde, von dem ich es wüsste, würde ich es
dieser Person selbst überlassen.
PASCAL ERLACHNER
Pascal Erlachner ist 38 Jahre alt, wohnt in
Wangen und ist dort Gemeinderat und Sport-
lehrer der Sekundarstufe I. Sein Outing als
schwuler Schiedsrichter war im Dezember 2017
in allen Medien grosses Thema, unter anderem
auch im DOK-Film von SRF. Privat ist er zudem
als Pilot unterwegs, macht gerne Sport und
möchte sich künftig noch vermehrt für Toleranz
und Respekt in der Gesellschaft einsetzen.
«Mir ist einmal mehr aufgefallen,
dass Kinder grundsätzlich nichts
gegen Homosexualität haben –
das ändert sich dann erst mit der
Sozialisation.»
10
KULTUR
KURZNEWS
Kultur
THRILLER LIVE: DIE HOMMAGE AN DEN KING OF POP KOMMT ZURÜCK IN DIE SCHWEIZ
Dieses Jahr wäre der King of Pop 60 Jahre alt
geworden. Seine Musik und einzigartigen
Tanzchoreogra en machen ihn unverges-
sen. Michael Jackson war und ist ein Phäno-
men. Mit seiner Musik und seinem unver-
wechselbaren Tanzstil zählt er bis heute
nicht nur zu den erfolgreichsten, sondern
auch zu den ein ussreichsten nstlern
weltweit. Inzwischen ist die Originalshow
aus dem Londoner West End ein echtes Phä-
nomen: Seit 2009 hat das hnenereignis
schon die Herzen von über vier Millionen
Fans in 33 Ländern erobert. Am Londoner
Westend scha te die Tribute Show im Sep-
tember 2014 sogar den Sprung in die Top 20
der Shows mit den längsten Laufzeiten. Das
hnenspektakel präsentiert über 30 Songs
aus Michael Jacksons beispielloser, mehr als
40-jährigen Karriere und lässt das Publikum
hautnah eintauchen in das künstlerische
Vermächtnis des King of Pop: von den ersten
Erfolgen mit den Jackson 5 wie «ABC» oder
«Can You Feel It», über Welt-Hits wie «Bad»
und «Billie Jean», bis hin zu den Songs aus
seinem legendären sechsten Studioalbum
riller, das ihn zum kommerziell erfolgreich
-
sten Künstler der achtziger Jahre machte.
nf brillante Sängerinnen und n-
ger bringen, zusammen mit einer sechs Mu-
siker starken Live-Band und den ausserge-
wöhnlichen nzern, Michael Jacksons
unfassbare Energie live auf die hne. Ver-
antwortlich für die spektakuren Choreo-
gra en sind Gary Lloyd und LaVelle Smith
Jr. letzterer Originalchoreograf des mehr-
fach ausgezeichneten Videos zu «Dange-
rous» und fün acher Gewinner des MTV
Video Music Awards. THRILLER LIVE ist
eine wahre Hommage an den unvergessli-
chen King of Pop.
17. bis 22. April 2018 im Theater 11 Zürich
24. bis 29. April 2018 im Musical Theater Basel
weitere Informationen: www.musical.ch/thriller
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IM SUMPF DER GROSSEN STADT WIE ZÜRICH DIE SCHWULEN-
ORGANISATION «DER KREIS» AUSHUNGERTE
Am 15. Juli 1960 beschliesst der rcher
Gemeinderat mit 5:4 Stimmen ein «Tanzver-
bot für nner» für Veranstaltungen im
Saal der Eintracht, dem späteren eater
Neumarkt. Vorangegangen sind mehrere
Razzien in einschlägigen Lokalen des Nie-
derdorfs. Die Polizei nimmt Personalien auf
und erstellt Listen homosexueller nner.
Zwei Mordfälle mit Strichjungen als Täter
bilden den Hintergrund dieser Ereignisse,
die den Niedergang der «Homoeroten»-
Organisation und der dreisprachigen Zeit-
schrift DER KREIS einläuteten. In einer
Collage zahlreicher zeitgenössischer Stim-
men, Zeitungsnotizen, Zuschriften und
Kommentare erfährt dieser Moment neu-
ralgischer behördlicher Überreaktion und
komisch anmutender psychologischer Be-
gutachtung ein Re-Enactment. Sie erleben
einen facettenreichen Rückblick auf 100
Jahre schwuler Emanzipationsgeschichte,
einen Auftritt des wohl bekanntesten ho-
mosexuellen Paars der Schweiz, Röbi und
Ernst, und einen Aus ug in die Travestie-
kunst der Gegenwart.
Mit: Martin Butzke, Hanna Eichel,
Matthias Hungerbühler, Maximilian Kraus,
Sarah Sandeh; Ernst Ostertag und Röbi
Rapp;
Leitung: Matthias Hungerhler und
Dramaturgie; in Zusammenarbeit mit Rolf
almann, Schwulenarchiv Schweiz. Mit
freundlicher Unterstützung der rcher
Kantonalbank.
5. Mai 2018 im Theater Neumarkt:
Matinée um 11 Uhr,
Abendvorstellung 20 Uhr
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Wettbewerb verwendet, du erhältst keine Werbung.
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n Di, 10.04.2018, 18:30 - 22:30 Uhr
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n Fr - So, 13. - 15.04.2018
HOW TO PLEASE A MAN
Einführung in Taoistische Erotische Massage
n Sa / So, 14. / 15.04.2018
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n jeden ersten Donnerstag im Monat
MEDITATION & MINDFULNESS
n jeden Dienstag
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beim jeweiligen Anbieter:
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Schreibe ein Mail an
lgbt@zkb.ch mit dem Stichwort
«Der Krei und deiner Adresse *.
Einsendeschluss ist der
23. April. Alle Infos auch auf
www.cruisermagazin.ch.
12
CRU I S E R A P R I L 2018
CRUISER SPECIAL
PINK APPLE FILMFESTIVAL
Pink Apple geht ausgezeichnet
an den Start
Eine Beziehung in Kosovo, ein schwuler Schönheitswettbewerb für syrische
Flüchtlinge, Musicals und internationale Webserien: Das grösste schwullesbische
Filmfestival der Schweiz hat ab dem 2. Mai wieder einiges zu bieten.
VO N M I C H I RÜ EG G
V
ergangenes Jahr zelebrierte Pink Apple
die 20. Ausgabe seit seiner Grün dung.
Dieses Jahr feiert das Film festival
gleich weiter: Der rcher Regierungsrat ver-
lieh dem schwullesbischen Event unngst
die Goldene Ehrenmedaille die höchste
kulturelle Auszeichnung des Kantons.
Dieses Jahr ackert am 2. Mai im Art-
house Kino Le Paris der Erönungslm über
die Leinwand, etwas später als sonst. Ihm
werden einmal mehr hundert weitere Spiel-
und Dokumentarlme folgen, in rich so-
wie ab dem 11. Mai an der Fortsetzung des
Festivals im thurgauischen Frauenfeld.
Hoffnungslosigkeit auf dem Balkan
Das Kino ist der Ort, an dem der Kampf um
gleiche Rechte seit jeher mit einer Portion
Optimismus ausgetragen wird. Während in
vielen westlichen Ländern Filme mit schwu-
len und lesbischen Geschichten längst den
Bereich des Mainstream-Kinos streifen,
siehts anderswo noch ganz anders aus. Doch
auch im Anderswo tut sich etwas, wie ein
Blick auf die diesjährigen Filme bei Pink App-
le zeigt: «e Marriage» lautet der Titel eines
im letzten Jahr fertig gestellten Films aus dem
Kosovo. Bei der Hochzeit handelt es sich
nicht etwa um eine schwule Eheschliessung.
Es ist die Geschichte von Anita und Bekim,
die heiraten wollen. Ein honungsvolles Paar
in einem weniger honungsvollen Land. Die
Geschichte beginnt an einem Unort an der
Grenze zu Serbien. Bekim begleitet seine Ver-
lobte, die nach den sterblichen Überresten
ihrer im Krieg verschwundenen Eltern sucht.
Ein Lastwagen bringt Gebeine über die Gren-
ze, manchmal auch nur einzelne Arm- und
Beinknochen, wie der Zuschauer erfährt. Aus
diesem trostlosen Setting heraus wird nun
ein freudiges Hochzeitsfest organisiert. Bloss,
dass Bekim vor seiner Braut ein Geheimnis
hat – er liebt einen Mann.
Die Filmbiografie macht aus dem Undergroundkünstler Tom Of Finland einen Nationalhelden. Aber ausgerechnet Sex fehlt im Film irgendwie – ein Widerspruch;
denn damit wurde der Künstler berühmt.
13
CRU I S E R A P R I L 2018
CRUISER SPECIAL
PINK APPLE FILMFESTIVAL
Dass eine solche Geschichte in Kosovo
erzählt werden kann, verleiht in der Tat Ho-
nung. Es scheint, als dokumentierten die
zwei Jahrzehnte des Bestehens von Pink
Apple die Wandlung, die das schwule und
lesbische Kino durchgemacht hat. Die dies-
hrige Festival-Ausgabe verharrt denn auch
beim Balkan – es macht ihn auch abseits der
Leinwand zum Schwerpunktthema. Geplant
sind laut Organisatoren zusätzliche Pro-
grammpunkte, etwa zu der Frage, wie es sich
in der Schweiz als schwuler Balkan-Secondo
so lebt.
Syrien sucht den schönsten Schwulen
Szenenwechsel. Das Istanbul von heute. Sy-
rische Flüchtlinge, in der Türkei gestrandet,
kämpfen um den Titel «Mr. Gay Syria». Der
Gewinner darf nach Malta reisen, an die
weltweiten Mr.-Gay-Wahlen. Der in Berlin
lebende Organisator der Wahlen, Mahmoud
Hassino, wollte mit seinem Vorhaben auf
die Situation der unzähligen schwulen
Flüchtlinge hinweisen. Auf diese Weise ver-
binden sich der Krieg in Syrien mit dem
Kampf um gleiche Rechte für sexuelle Min-
derheiten. Den Doklm darüber hat Ayse
Toprak gedreht.
Wie jedes Jahr setzt Pink Apple auch
heuer auf weitere Schwerpunktthemen. Mal
heiter, mal wolkig. So beschäftigt sich das
Festival mit einer der schwulsten Unter-
haltungsformen überhaupt, dem Musical.
Die Organisatoren haben tief in der Kiste
gewühlt und nach Beispielen von Musical-
Filmen gesucht.
Zudem wendet Pink Apple für einmal
den Blick weg von der Leinwand, hin zum
Smartphone- und Laptop-Screen. Den An-
lass dafür bieten Webserien mit Gay-Inhal-
ten, die in den letzten Jahren auf der ganzen
Welt entstanden sind. Das rcher Festival
bringt sie nun weg vom Mini-Bildschirm auf
die grosse Leinwand. Binge-Watching im
Kinosessel, mal etwas anderes.
Der seit einigen Jahren vergebene
Pink-Apple-Award geht dieses Jahr an eine
New Yorker Produzentin: Christine Vachon.
Die New Yorkerin kann mehr als hundert Ti-
tel aufweisen, bei denen sie als Produzentin
gewirkt hat. Einige davon sind auch einem
breiten Publikum bekannt: Etwa «Boys
Don’t Cry» (1999), «I shot Andy Warhol»
(1996) und «Go Fish» (1994). Ihren inoziel-
len Titel «Mutter des New Queer Cinem
tgt die 1962 US-Amerikanerin alles ande-
re als zu Unrecht. Ihren ersten Streifen in
Spiellmlänge, «Poison», produzierte
Vachon 1991 für Todd Haynes. Mit ihm hat
sie seither alle Projekte realisiert. Darunter
auch «Far from Heaven» (2002) oder den
ngst fertiggestellten Film «Carol», die bril-
lante Verlmung von Patricia Highsmiths
autobiograschem Buch. Aus Anlass von
Vachons Besuch in Zürich zeigt Pink Apple
am Festival eine Retrospektive.
Das diesjährige Programm wird ge-
druckt und online Anfang April zur Verfü-
gung stehen. Infos auf www.pinkapple.ch,
auf Facebook und Instagram (#pinkapple-
lmfestival)
Pekka Strang spielt Tom Of Finland als widerspenstigen, charmant kauzigen Aufrechten, der nach dem
Zweiten Weltkrieg ins miefige Helsinki zurückkehrt, sein Schwulsein dort verheimlichen und seine erotischen
Zeichnungen verstecken muss.
Diese Filme laufen unter anderem am Pink Apple:
After Louis
Sam (60), ehemals erfolgreicher Maler und Gay-
Aktivist, trinkt und raucht zu viel und hat Sex
mit Strichern. Er will einem 1999 an AIDS ver-
storbenen Freund ein Kunstdenkmal setzen. Als
er sich auf eine intensive Affäre mit dem jungen
und charmanten Braeden einlässt, gerät seine
Haltung zur jungen Generation gehörig ins Wan-
ken: Braeden hat eine offene Beziehung mit sei-
nem HIV-positiven Freund und statt AIDS vor
Augen zu haben, nehmen die zwei PREP und
geniessen ihr Leben.
Tom Of Finland
Nach dem 2. Weltkrieg kehrt der dekorierte fin-
nische Offizier Touko Laaksonen zurück in den
zivilen Alltag. Doch in seiner Heimatstadt Hel-
sinki grassiert eine homophobe Stimmung, der
Staat verfolgt schwule Männer. Viele Schwule
heiraten Frauen und zeugen Kinder. Laaksonen
flüchtet sich in die Kunst und beginnt, muskulö-
se Kerle zu zeichnen. Unter dem Pseudonym
«Tom of Finland» wird er zu einer Ikone der glo-
balen Befreiungsbewegung schwuler Männer.
Das Kino ist der Ort, an dem der
Kampf um gleiche Rechte seit
jeher mit einer Portion Optimis-
mus ausgetragen wird.
Einer der Schwerpunkte des
Festivals liegt auf der schwulsten
Unterhaltungsform überhaupt –
dem Musical.
14
CRU I S E R A P R I L 2018
INTERVIEW
TIM K. WIESENDANGER
«Monogamie entspricht
nicht jedem»
In vielen Beziehungen taucht früher oder später das Thema Fremdgehen auf.
Doch was heisst es, «treu» in einem tiefgründigen Sinne zu sein? Der Schweizer
Psychologe Tim K. Wiesendanger geht in seinem neuen Buch unter anderem auf
diese Frage ein. Cruiser hat sich mit dem Autor unterhalten.
15
CRU I S E R A P R I L 2018
INTERVIEW
TIM K. WIESENDANGER
IN T E R V I E W: H AY M O E M P L
W
arum ist für dich Monogamie ein
Mythos? Das impliziert der Buchtitel.
Der Mythos Monogamie rekla-
miert die lebenslange Ehe zweier Menschen
in sexueller Ausschliesslichkeit als die ein-
zig wahre, jedenfalls die anzustrebende Be-
ziehungsform. Von Kindheit an werden wir
durch rchen von heldenhaften Prinzen
und bezaubernden Prinzessinnen in die-
sem Menschenbild genährt. Später verstär-
ken romantische Hollywoodproduktionen
von glücklichen Paaren bis dass der Tod
sie scheidet – ebendiese Sehnsucht. Doch
wer wird diesem Bild schon gerecht, ein Le-
ben mit ein und demselben Partner glück-
lich in geistiger, seelischer und sexueller
Harmonie zu erleben?
Monogamie kommt im Tierreich selten vor.
Bei Säugern sind etwa Elefanten und bei
Primaten ausschliesslich Gibbons mono-
gam. Unsere nächsten Verwandten, die Bo-
nobos, sind hingegen in aussergewöhnlich
friedfertiger Gestalt polygam. Auch beim
Menschen gibt es keinerlei biologische Indi-
zien, die für Monogamie sprechen würden,
hingegen alle für Polygamie. Monogame
Tiere ssen sich auch nicht «zusammen-
reissen», um nicht «fremdzugehen». Sie
kennen gar kein solches Verlangen. Hinge-
gen ist unsere Maxime, lebenslang mono-
gam leben zu sollen, ein kultureller und vor
allem religiöser Mythos und hat mit unserer
Natur nichts zu tun.
Dein Buch tgt den Untertitel «Wege zur
authentischen Beziehungsgestaltung». Ist
das nicht ein Widerspruch zum eigentlichen
Buchtitel, der ja ein klares Statement ist?
Nicht wenigen Menschen entspricht serielle
Monogamie als Lebensform, also über die
Zeit einer Partnerschaft ausschliesslich mit
einem Partner ihre Sexualität zu teilen. Und
wenn zwei sich nden, die darin glücklich
sind, gibt es nichts zu rütteln. Doch serielle
Monogamie ist – anders als der Imperativ des
Mythos Monogamie über die Zeit hinweg
betrachtet auch eine Form von Polygamie.
Doch vielen entspricht auch serielle
Monogamie nicht. Sie möchten ihre Part-
nerschaft in sexueller Hinsicht önen. Und
hier spielt der Mythos Monogamie als das
«eigentlich Richtige» – sehr stark moralisie-
rend hinein. Daher möchte ich für alle, die
sich nicht für nur einen Partner sexuell inte-
ressieren, eine Lanze brechen. Sie brauchen
sich nämlich weder für ihr Verlangen zu
rechtfertigen, noch dieses als minderwertig
anzuschauen und sich zu schämen. Es ist
schlicht ihre Natur.
Wir alle ob im Körper eines Mannes
oder einer Frau – haben innenseelisch weib-
liche (Anima-) und männliche (Animus-)
Anteile. Dabei strebt Anima nach Intimität
und Animus nach Autonomie. Auf der
sexuel len Ebene tendiert Anima zu serieller
Monogamie und Animus zu wechselnden
Partnern. Dabei ist aber das eine nicht bes-
ser oder richtiger als das andere, so wenig
wie helle Augen besser oder richtiger sind
als dunkle. Doch der Mythos Monogamie
stellt Animus auf der Sexualenergieebene
als unanständig, unmoralisch, ja gar krank
an den Pranger.
Homosexualit hat per se etwas Subversives.
Schafft da das heteronormative Rollenmodel
der Monogamie nicht einen entsprechenden
Ausgleich?
In der Wahl einer monogamen Lebensform
besteht tatchlich bei einigen schwulen
nnern der Versuch, gesellschaftlich trotz
«Makel» akzeptiert zu werden. Für sie kann
ich nur hoen, dass ihnen serielle Monoga-
mie auch wirklich entspricht. Sonst kämp-
fen sie nämlich ein Leben lang und völlig zu
Unrecht mit massiven Scham- und Schuld-
gefühlen gegen ihr eigentliches Wesen an.
Wie definierst du für dich den Begriff «Treue»?
Landläug impliziert Treue sexuelle Aus-
schliesslichkeit. Dabei ist Treue auf seeli-
scher Ebene aber viel umfassender, nämlich
seinen Partner in seiner Persönlichkeit voll
und ganz zu akzeptieren. Dies beinhaltet
auch das Akzeptieren seiner Anteile an Ani-
ma und Animus. Dabei stehen Paare, bei
denen diese Anteile auf sexueller Ebene
nicht korrespondieren, vor grossen Heraus-
forderungen, haben sie es doch oft mit den
zerstörerischen Protagonisten Eifersucht
und schlechtem Gewissen zu tun.
Du arbeitest unter anderem mit LGBT*-
Menschen – inwiefern unterscheiden sich
deren Anliegen von denjenigen der Hetero-
sexuellen?
LGBT, vor allem schwule Männer, leben
häug in beidseitig abgemachter oener
Partnerschaft und brauchen so auch gar
nicht heimlich fremdzugehen. Darin unter-
scheiden sie sich von vielen heterosexuellen
Paaren, bei denen das sexuelle Önen oft
ein rotes Tuch, respektive Fremdgehen ein
Scheidungsgrund ist. Meiner Ansicht nach
verkörpern schwule nner diesbezüglich
eine wesentlich höhere Authentizität und
nehmen damit gesellschaftlich geradezu
eine Pionierrolle ein.
«Unsere Maxime, lebenslang
monogam leben zu sollen, ist ein
kultureller und vor allem religiö-
ser Mythos und hat mit unserer
Natur nichts zu tun.»
«In der Wahl einer monogamen
Lebensform besteht tatsächlich
bei einigen schwulen Männern der
Versuch, gesellschaftlich trotz
‹Makel› akzeptiert zu werden.»
TIM K. WIESENDANGER
Psycho- und Paartherapeut, arbeitet in eigener
Praxis in Zürich. Er ist Autor verschiedener
Fach- und Sachbücher im Bereich schwule
Männer und Psychologie. Der 53-jährige promo-
vierte Psychologe arbeitet seit 20 Jahren
überwiegend mit LGBT und hat im Laufe seines
Berufslebens Paare und Singles immer wieder
rund um das Thema «Partnerschaft» und
«Beziehung» begleitet und unterstützt.
Die Rezension von Tim Wiesendangers
Ratgeber gibt’s auf Seite 22.
16
CRU I S E R A P R I L 2018
KOMMENTAR
WAHLEN 2018
Das politische Zürich bleibt
so schwul wie zuvor
Die schwulen und lesbischen Politiker und Politikerinnen konnten sich bei
den Kommunalwahlen am 4. März 2018 behaupten. Neu ist, dass die Linke im
Parlament eine satte Mehrheit hat.
VO N M I C H I RÜ EG G
K
eine Frage: rich ist die Gay-Haupt-
stadt der Schweiz. Nirgendwo leben
so viele LGBT-Menschen wie in der
Schweizer Wirtschaftsmetropole. Das zeigt
sich auch beim Blick auf die politische
Landschaft. Im neunköp gen Stadtrat sa-
ssen bereits vor den Wahlen vom vergange-
nen 4. rz mit Corine Mauch (SP) eine of-
fen lesbische Stadtpräsidentin und mit
And Odermatt (ebenfalls SP) ein o en
schwuler Stadtrat. Das wird auch weiterhin
so sein.
Mann, Kind, konservativ, abgewählt
Nachdem Markus Hungerbühler, ebenfalls
o en schwuler CVP-Kandidat, die Wahl
nicht gescha t hat, bleibt das Verhältnis bei
zwei von neun o enen LGBT-Stadtratsan-
gehörigen. Hungerbühler überzeugte wohl
auch darum nicht, weil er gleichzeitig
mehrheitlich am rechten Rand des bürgerli-
chen Spektrums politisierte, während er
privat Mann und Kind hat, letzteres im Aus-
land via Leihmutterschaft gezeugt. Damit
mochte er die Herzen seiner konservativen
Stammwähler nicht aufweichen, während
ihm von Seiten der LGBT-Wählerschaft of-
fenbar ebenfalls mehrheitlich die Gefolg-
schaft verwehrt wurde. Seine Partei ver-
schwindet ganz aus dem Gemeinderat, weil
sie die 5-Prozent-Hürde in keinem einzigen
Stadtkreis scha te. An ihrer Stelle wird
künftig die Evangelische Volkspartei (EVP)
in Verbindung mit der BDP ihre Leute ins
Rathaus entsenden. Die EVP el in den ver-
gangenen Jahren immer wieder durch ho-
mophob angehauchte Politik auf.
17
KOMMENTAR
WAHLEN 2018
Bekannte Namen sind zuck
Auch im Parlament, dem Gemeinderat, sind
LGBT-Leute gut vertreten. Die SP ging gar
mit ganzseitigen Wahlinseraten in Gay-Me-
dien auf Stimmenfang. Ihre bekanntesten
Vertreter Marco Denoth, Patrick Hadi Hu-
ber, Alan David Sangines und Simone
Brander wurden problemlos wiederge-
hlt. Zu den schwulen, respektive lesbi-
schen, Gemeinderatsmitgliedern anderer
Parteien gehören Marcel hrig und die
neu gewählte Brigitte rer (beide Grüne),
Markus Baumann (Grünliberale) und Mar-
cel Müller (FDP). Letzterer, immerhin ehe-
maliger Checkpoint-Chef, verblüte neu-
lich übrigens seine schwulen Ratskollegen,
indem er die Ablehnung eines Vorstosses
beantragte, der zum Ziel hat, die Tests für
sexuell übertragbare Krankheiten kosten-
los zu machen.
Der schrecklichste aller Schrecken der
Schwulen und Lesben, der evangelikale
Wirrkopf Daniel Regli trat nicht mehr zur
Wahl an. Der SVP-Gemeinderat schockierte
zuletzt hrend der städtischen Budgetde-
batte, als er etwas themenfremd einen Zu-
sammenhang zwischen Suiziden schwuler
nner und durch Analsex ausgeleierte
Schliessmuskeln herstellte. Sein damaliger
Nachfolger auf der Parteiliste, der oen
schwule Marco Kiefer, schate die Wahl
am 4. rz nicht. Auch Reisebürobesitzer
Andy Mosetti bleibt ohne Sitz. Damit hat
die SVP derzeit keine oen schwule oder
lesbische Gemeinderatsmitglieder, (aber
mindestens einen, der nicht so oen damit
umgeht, wie der Cruiser weiss).
Unter den neugewählten sticht Nata-
lie Eberle hervor, die Frau von Pink-Apple-
Mitorganisatorin Doris Senn. Eberle zieht
für die Alternative Liste (AL) ins Parlament.
Ebenfalls weiterhin für die AL im Rat sitzt
der schwule Arzt David Garcia. Zu den
nichtgehlten Gays zählt auch der
Klatsch- und ehemalige Cruiser-Kolumnist
Bruno Bötschi, der auf einer der AL-Listen
antrat, um das Nachtleben zu retten.
Die Aufhlung dieser Namen ist nicht
vollständig. Der Cruiser hat darauf verzich-
tet, sich bei allen 125 Mitgliedern nach de-
ren sexuellen Pferenzen zu erkundigen.
Und: Es ist weniger die Frage, wie und
wen die einzelnen Gemeinderätinnen und
Gemeinderäte lieben sondern die Sitzver-
teilung im neuen Parlament. Denn künftig
haben SP, Grüne und AL zusammen eine
Mehrheit. Das heisst, dass Minderheiten
wie etwa LGBT es wohl einfacher haben
werden, ihre Anliegen durchzukriegen.
Die Sterne für unsere Anliegen stehen
also günstig. Das ist gut zu wissen, schliess-
lich fällt in die kommende Legistlatur die
Erönung des Regenbogenhauses.
Markus Hungerbühler wurde nicht gewählt, dafür schafften es Patrick Hadi Huber und David Garcia Nuñez
(von links). Die Linke erreichte eine grosse Mehrheit.
A N ZE IG E
5
C R U I S E R S o m m E R 2 017
sliPPery
Subj eCtS
VoN MARTIN MüHLHEIM
C
oming-out-Filme gibt es mittlerweile
viele, und entsprechend unterschied-
lich kommen sie daher: leichtfüssig-
komisch wie der britische Klassiker
Beautiful ing (1996), eher nachdenklich
wie das brasilianische Kleinod Seashore
(2015), bisweilen auch zutiefst tragisch so
im israelischen Drama Du sollst nicht lieben
(2009), das in der ultraorthodoxen Gemein
-
de in Jerusalem spielt.
Angesichts solcher Unterschiede er-
staunt es umso mehr, mit welcher Regel-
mässigkeit uns Coming-out-Filme Jungs oder
nner zeigen, die alleine, zu zweit oder in
Gruppen schwimmen gehen. Nun könnte
man das natürlich als Zufall oder Neben-
sächlichkeit abtun. Bei genauerem Nachden-
ken zeigt sich allerdings, dass sich gleich
mehrere Gründe für diese erstaunliche Häu-
gkeit nden lassen.
Nackte Haut ohne allzu viel Sex
Eine erste, nur scheinbar oberächliche Er-
krung ist, dass (halb)entblösste Körper
sich nicht bloss auf der Leinwand, sondern
auch auf Filmpostern und DVD-Covern äus-
serst gut machen. Schwimmszenen bieten
ein perfektes Alibi für das Zeigen von nack-
ter Haut: Sex sells, wie es so schön heisst.
Warum «Alibi»? Weil man – gerade bei
Filmen mit jungen Protagonisten aufpas-
sen muss: «Sex sells» mag zwar zutreen,
aber allzu explizite Sexszenen können
schnell mal zu hohen Altersfreigaben füh-
ren. Dies wiederum möchten Filmemacher
in der Regel vermeiden: Filme, die erst ab 18
freigegeben sind, lassen sich mlich weni-
ger einfach vermarkten. Auf Amazon.de
zum Beispiel werden Filme mit Altersfreiga-
be 18 nur an nachweislich volljährige Perso-
nen verkau und gerade für Coming-
out-Filme, die sich auch an ein junges Publi-
kum richten, ist dies sicher kein wünschens-
werter Eekt.
Schwimmszenen bieten hier eine per-
fekte Kompromisslösung: Man kann nackte
Haut lmisch ansprechend inszenieren, da-
bei aber allzu heisse Techtelmechtel tugend-
ha vermeiden (beispielsweise, indem der
Wasserspiegel immer über der Gürtellinie
bleibt, wie im niederländischen Film Jon-
gens, 2014). Um das Rezept knapp zusam-
menzufassen: Man nehme eine grosszügige
Portion feuchter Erotik, eine vorsichtige Pri-
se Sex – und um Himmels Willen kein Körn-
chen Porno.
Eingetaucht ins Triebleben
Man täte den lesBischwulen Filmemache-
rInnen aber unrecht, wenn man ihre erzäh-
lerischen Entscheidungen allein auf nan-
zielles Kall reduzieren wollte. Es gibt
mlich auch ästhetisch-symbolische Grün-
de, die Schwimmszenen für das Genre inter-
essant machen.
Da wäre zuchst die Funktion des
Wassers als Symbol für das Unbewusste.
Dieses Unbewusste, so weiss man spätestens
seit Sigmund Freud, hat viel mit der Triebna-
tur des Menschen zu tun – und so erstaunt es
nicht, dass Hauptguren auf der Suche nach
ihrer sexuellen Identität sozusagen symbo-
lisch in die Tiefen des Unbewussten eintau-
chen müssen, um ihr gleichgeschlechtliches
Begehren zu entdecken.
Figuren in der Schwebe
Darüber hinaus hat die Filmwissenschale-
rin Franziska Heller in ihrem Buch über die
Filmästhetik des Fluiden (2010) gezeigt, dass
schwimmende Figuren immer wieder als
«schwebende Körper» inszeniert werden: o
in Zeitlupe und seltsam herausgelöst aus
dem sonst zielstrebig voranschreitenden
Erhlprozess. Dieser Schwebezustand wie-
derum ist eine wunderbare visuelle Meta-
pher für die Phase kurz vor dem Coming-out:
Man ist nicht mehr der oder die Alte, aber
auch noch nicht ganz in der neuen Identität
angekommen. Ein Film macht das Schweben
sogar explizit zum ema: In Kinder Gottes
aus dem Jahr 2010 zeigt Romeo dem neuro-
tisch-verklemmten Johnny, wie befreiend
das «Floating» im Meer sein kann.
Neben der Inszenierung von Schwebe-
zuständen und dem Wasser als Symbol für
das Unbewusste ist drittens das Motiv von
Filme, die ersT ab 18
FreiGeGeben sind, lassen
sicH nämlicH WeniGer
einFacH VermarKTen.
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18
CRU I S E R A P R I L 2018
NEWS
NATIONAL & INTERNATIONAL
LETS TALK ABOUT SEX AND DRUGS
ZÜRCHER LIGHTHOUSE SCHAFFT GANZHEITLICHES AMBULANTES ANGEBOT
Wolltest du schon immer mal emen wie
sexuelle Gesundheit, Praktiken, ChemSex,
HIV, PrEP oder einfach Sex und Drogen im
Allgemeinen diskutieren, aber wusstest
nicht, wo man beginnen soll oder fühlst
Seit 30 Jahren und als eines der ersten
Pallia tivzentren der Schweiz begleitet das
rcher Lighthouse Menschen an ihrem
Lebensende. Im Sommer 2017 önete die
Stiftung, nur wenige Meter neben dem be-
kannten Hospiz Lighthouse, die Türen ih-
res neuen Tageszentrums mit ärztlichem
Ambulatorium.
Bereits seit Juli 2017 ernzen ein Ta-
geszentrum und eine ärztliche Ambulanz
das stationäre Wohnhaus der Stiftung
Lighthouse in rich-Hottingen. Das am-
bulante Angebot umfasst neu auch eine
Nachtbetreuung. Diese richtet sich an chro-
nisch oder schwerkranke Menschen, die
den Tag in ihrem gewohnten Umfeld ver-
bringen aber nachts spezische pegeri-
sche Unterstützung benötigen.
Dich unwohl zu fragen? Das Projekt «Let’s
talk about sex and drugs» will diese emen
aufgreifen. In 5-minütigen Wortbeiträgen
können sich Leute zu Wort melden, um über
ihre Erfahrungen zu berichten. In unge-
zwungener Atmosphäre kann so Diskus-
sion und Austausch über oben genannte
emen stattnden.
Hintergrund ist die Vorstellung von
zunehmend mehr MSM (Männer, die Sex
mit nnern haben) in den Checkpoints
und an anderen Beratungsstellen, die Pro-
bleme mit ihrem Substanzkonsum haben.
Host des Abends wird die bekannte Drag-
Queen Pansy aus Berlin sein, begleitet von
Dr. Martin Viehweger und Dr. Benjamin
Hampel, zur Auockerung nnen Perfor-
mances von lokalen Künstler_innen zum
Besten gegeben werden.
Das Publikum wird ermutigt teilzu-
nehmen und sich zu engagieren und ist ein-
geladen, seine Erfahrungen und Bedenken
Im Rahmen ihres 30-jährigen Jubi-
läums bietet das Zürcher Lighthouse 2018
zudem neu sowohl einen pegerischen als
auch ärztlichen und psychologischen Kon-
siliardienst für Pegeheime im ganzen Kan-
ton Zürich. Menschen mit chronisch fort-
schreitenden Erkrankungen, aber auch
betagte Menschen mit Mehrfacherkran-
kungen werden von spezialisierten Fach-
personen für Palliative Care untersucht und
beraten. Der Konsiliardienst im Bereich
Pege ist sowohl für die Pegeheime als
auch für die betroenen Bewohner kosten-
los. Eine mögliche ärztliche sowie psycho-
logische Konsultation wird über den nor-
malen Tarmed-Tarif abgerechnet.
Mit der Erweiterung seines Angebotes
möchte das Lighthouse Barrieren abbauen
zu diesen emen mit Freunden zu teilen.
Ziel dieser für die Schweiz ersten Veranstal-
tung ist das Schaen eines Bewusstseins für
Chemsex und Geschlechtskrankheiten, der
Information zu Risiken, Übertragungswe-
gen und Testglichkeiten. Und dies frei
von Moral und Vorurteilen.
Dieser Abend richtet sich an alle inter-
essierten Menschen. Egal ob cis, trans*,
queer oder dazwischen. In rich wird die-
ser Abend durch Aktivist_innen, den
Checkpoint rich und die Aids-Hilfe
Schweiz organisiert und nanziert. Das
Event wird bilingual auf Deutsch und Eng-
lisch gehalten.
«Lets talk about Sex and Drug
Datum: 12. April 2018
Ort: Café des Hotels Rothaus, Langstrasse
Türöffnung: 19 Uhr, Beginn: 20 Uhr
Der Eintritt ist frei.
und den Grundstein für eine vertrauens-
volle Betreuung und Behandlung durch ver-
schiedene Phasen der Palliative Care legen.
News
19
CRU I S E R A P R I L 2018
NEWS
NATIONAL & INTERNATIONAL
K
ondome schützen zuverlässig vor
HIV, nicht aber gegen andere sexuell
übertragbare Infektionen (STI) wie
zum Beispiel Chlamydien, Tripper oder
Syphilis. Geschlechtskrankheiten werden
auch beim ssen, Lecken, Blasen oder
sogar beim Streicheln (Schmierinfektion)
übertragen. «Kondome schützen nur dort,
wo sie sind», sagt STARMAN (Bild). «Sex ist
leidenschaftlich, kein theoretischer, steriler
Akt. Sexuell aktiven Menschen mit wech-
selnden Partnern rate ich deshalb, sich re-
gelssig auf die gängigsten STI testen
und falls nötig behandeln zu lassen.» Denn
STARMAN weiss: STI treten oft ohne Sym-
ptome auf, werden nicht erkannt und da-
durch verbreitet. Viele sind Träger von STI,
ohne es zu wissen. Mit regelmässigem
Testen und Behandeln wird der eigenen
Gesundheit Sorge getragen und eine
unwissentliche Weiterverbreitung von STI
verhindert.
Schwule und andere Männer, die Sex
mit nnern haben (MSM), sind in der
Schweiz am stärksten von Geschlechts-
krankheiten betroen. Im Mai bieten Dr.
Gay und die Aids-Hilfe Schweiz in Zusam-
menarbeit mit den Checkpoints und ausge-
hlten Teststellen Tests für Syphilis, Trip-
per, und Chlamydien für zusammen nur 30
Franken an. Diese Tests kosten im Normal-
fall mehrere hundert Franken.
LASS DICH TESTEN!
Vom 1. bis zum 31. Mai 2018 finden im Rahmen
der STARMAN-Kampagne die nationalen STI-
Testwochen statt. STI steht für sexuell über-
tragbare Infektionen, namentlich Syphilis, Trip-
per, Chlamydien und Hepatiden. Checkpoints
und ausgewählte Teststellen bieten Schwulen
und andere Männern, die Sex mit Männern
haben, Tests mit entsprechender Beratung für
zusammen nur 30 Franken an. Detaillierte Infor-
mationen zur Kampagne und die Adressen der
Teststellen findest du auf drgay.ch.
Schutz durch
regelmässiges Testen?
Seit rund einem Jahrzehnt sind sexuell übertragbare Infektionen (STI) in der
Schweiz auf dem Vormarsch. Kondome bieten zwar einen gewissen Schutz, sie
schützen jedoch nur vor HIV zuverlässig. Für sexuell aktive Menschen mit wech-
selnden Partnern ist darum regelmässiges Testen die klügere Schutzmassnahme.
«Kondome schützen nur dort, wo
sie sind. Sex ist leidenschaftlich,
kein theoretischer, steriler Akt
20
CRU I S E R A P R I L 2018
INTERVIEW
HIV AM ARBEITSPLATZ
Im Kampf
gegen Diskriminierung
In der Schweiz leben 20 000 Menschen mit HIV oder Aids. Trotz der medizini-
schen Fortschritte werden diese noch immer diskriminiert: auf Reisen, im
medizinischen Bereich, bei Versicherungen oder am Arbeitsplatz die Aids-Hilfe
Schweiz hat eine eigens dafür eingerichtete Fachstelle.
IN T E R V I E W: H AY M O E M P L
W
ozu braucht es eure Fachstelle?
Trotz der medizinischen Fort-
schritte zieht eine HIV-Diagnose
auch heute noch eine deutliche Schlechter-
stellung in zahlreichen Bereichen des all-
glichen Lebens nach sich. Benachteili-
gungen im Arbeitsumfeld, gegenüber
Sozial- und Privatversicherungen, aber
auch Datenschutzverletzungen kommen
häug vor. Die Rechtsberatung der Aids-
Hilfe Schweiz setzt sich dafür ein, dass
Menschen mit HIV zu ihrem Recht kommen
und unterstützt sie im Kampf gegen Diskri-
minierungen.
Existiert denn immer noch eine «Diskriminie-
rung» am Arbeitsplatz?
Leider kommen solche Diskriminierungen
immer wieder vor. Rund 10% der uns 2017
gemeldeten Diskriminierungen betrafen
das Arbeitsumfeld. Und 25% der Anfragen
an die Rechtsberatung im Jahr 2017 bezogen
sich aufs Arbeitsrecht.
Kannst du ein Beispiel nennen?
Ein Mann erönete seiner Vorgesetzten im
Vertrauen, dass er HIV-positiv ist. Ohne sei-
ne Einwilligung informierte diese in der
Folge die ganze Belegschaft darüber aus
Angst, dass sich jemand anstecken könnte.
Daraufhin wurde der Mann von gewissen
Mitarbeitenden so gemobbt, dass er die
Stelle kündigen musste.
Wie viele Fälle werden von eurer Fachstelle
konkret bearbeitet?
Pro Jahr gelangen 300 bis 400 Personen mit
rechtlichen Fragen rund um HIV an die
Rechtsberatung. Diskriminierungen wer-
den uns jedes Jahr rund 100 gemeldet. 2017
betrafen 40 Diskriminierungen die Sozial-
versicherungen und 24 lle die Privat-
versicherungen. In zehn Fällen wurden
HIV-positive Menschen in der Arbeitswelt
benachteiligt, in 14 llen ging es um Da-
tenschutzverletzungen. Weiter erfasste die
Aids-Hilfe Schweiz Diskriminierungen im
Gesundheitswesen (9), bei Einreise- und
Aufenthaltsrechten (8) sowie im Ausnder-
recht (6).
Inwiefern unterscheiden sich die Anliegen/
Probleme in der Rechtsberatung bei/zwi-
schen den LGBT*-Menschen und der hetero-
sexuellen Bevölkerung?
Unsere Rechtsberatung bietet Unterstüt-
zung an bei Rechtsfragen und Diskriminie-
rungen, die in direktem Zusammenhang
Dr. iur. Caroline Suter vom Rechtsdienst der Aids-Hilfe Schweiz stellt fest, dass es nach wie vor zu
Diskriminierung aufgrund der Diagnose HIV/AIDS kommt. Sie und ihr Team beantworten kostenlos Fragen
rund um HIV und Recht.
Foto: Mary Manser
21
INTERVIEW
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mit HIV stehen. In diesem Bereich sind
grundsätzlich keine Unterschiede zu ver-
zeichnen.
HIV und Aids sind nicht mehr «sichtba, ei-
gentlich sollte daher die Krankheit im Alltag
und Berufsleben kaum mehr eine Rolle spie-
len. Gibt es Fälle und Situationen, in denen
eine HIV-positive Person dennoch eine Anga-
be diesbezüglich machen muss?
In der Schweiz gibt es keine Picht, den Ar-
beitgeber über die HIV-Infektion zu infor-
mieren, auch nicht im medizinischen Be-
reich, und ein Arbeitgeber hat kein Recht,
nach HIV zu fragen. Tut er dies trotzdem, hat
man das Recht, die Frage falsch zu beant-
worten. Es gibt aber immer wieder Leute, die
den Arbeitgeber freiwillig über ihre HIV-In-
fektion informieren möchten. Diese reagie-
ren manchmal sehr gut, manchmal kommt
es dann aber auch zu Diskriminierungen
oder Datenschutzverletzungen. In den An-
tragsformularen von Taggeld- und Lebens-
versicherungen sowie von Pensionskassen
im überobligatorischen Bereich wird oft
nach HIV und anderen vorbestehenden
Krankheiten gefragt. Da dies Privatversiche-
rungen sind, haben sie das Recht, solche
Fragen zu stellen und als Antragsteller_in
hat man die Picht, die Fragen wahrheitsge-
ss zu beantworten. Meistens verweigern
dann die Versicherungen die Aufnahme
oder bringen einen Vorbehalt für HIV an.
Besonders im Bereich der Taggeldversiche-
rung, welche die Lohnfortzahlung im
Krankheitsfall gewährleistet, kann dies ein-
schneidende Konsequenzen haben. Der me-
dizinische Fortschritt wird von den Versi-
cherungen noch viel zu wenig berücksichtigt.
Wie ist das konkrete Vorgehen, wenn jemand
eure Fachstelle kontaktiert? Was passiert
nach der ersten Kontaktaufnahme?
Die Kontaktaufnahme erfolgt telefonisch
oder schriftlich. Persönliche Beratungen
bieten wir keine an, da wir national tätig
sind. Je nach Anfrage können wir diese di-
rekt telefonisch oder per Mail beantworten.
In den meisten llen handelt es sich aber
um umfangreichere Beratungen, bei denen
beispielsweise eine Kontaktaufnahme mit
dem Arbeitgeber, der IV-Stelle, der Kran-
kenkasse, des Gerichts oder einer anderen
Institution oder Person notwendig ist. Um
dies tun zu können, benötigen wir von den
Klient_innen eine Vollmacht. Im Bereich
des Sozialversicherungsrechts bieten wir
auch Rechtsvertretungen an (Einsprachen,
Einnde und Beschwerden). Dies sind
umfangreiche Beratungen, die sich über
Jahre hinziehen und sehr viele Stunden in
Anspruch nehmen können.
Menschen mit HIV / Aids und ihre Angehörigen,
Beratende, Arbeitgebende, Ärzte, Ärztinnen und
andere Interessierte können sich mit Rechts-
fragen, die in einem direkten Zusammenhang
mit HIV / Aids stehen, telefonisch oder schriftlich
an den Beratungsdienst der Aids-Hilfe Schweiz
wenden. Die Rechtsberatung ist kostenlos und
erfolgt absolut diskret.
E-Mail: recht@aids.ch
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Foto: Mary Manser
22
CRU I S E R A P R I L 2018
KULTUR
BUCHTIPP
BUCHTIPP
Wiesendanger, Tim Kurt: Abschied vom
Mythos Monogamie. Wege zur authentischen
Beziehungsgestaltung. Berlin 2018.
Preis CHF 21.90
ISBN 978-3896562647
Legitimation fürs
Fremdgehen?
Nicht nur Paare vor dem Traualtar schwören sich ewige Treue. Bei den meisten
hält dieser Schwur allerdings nicht ein Leben lang. Woran liegt’s?
VO N B I R G I T K AWO H L
«
B
is dass der Tod euch scheidet»,
eine Formel, die sich Liebende
im Glauben um ihre ewige Liebe
nicht nur im kirchlichen Rahmen verkün-
den. Selbst bei Paaren, die keine o zielle
Hochzeit feiern, ist dieses Statement, ob of-
fen ausgesprochen oder implizit vorhan-
den, der Grundpfeiler ihrer vermeintlichen
Liebe. In vielen Fällen kommt es durch das
Nichteinhalten dieser monogamen Struk-
tur zum Scheitern der Beziehung. Hiermit
hat sich der Fachpsychiater für Psychothe-
rapie Tim Wiesendanger, spezialisiert auf
LGBT- emen, intensiv in seinem eben er-
schienenen Ratgeber bescftigt.
Biologisch gesehen sei der Mensch
überhaupt nicht für die Monogamie konst-
ruiert wie übrigens nur ganz wenige We-
sen auf der Welt. Im Gegenteil, gerade der
an dem im Vergleich zum Gesamtkörper ab-
surd grosse Penis des Mannes oder die un-
sinnige Dauergsse der Brüste einer Frau,
die ja eigentlich nur zum Stillen gebraucht
würden, seien auf pures Imponiergehabe
ausgerichtet, mit dem man immer wieder
neue Sexualpartner anlocken wolle. So ge-
sehen widersprächen wir forthrend un-
seren biologischen Urinstinkten, die eine
permanente Suche neuer Partner mit an-
schliessender Erfüllung des Sexualaktes
vorhen.
So spricht Wiesendanger dann auch
folgerichtig in seinem Ratgeber von der Mo-
nogamie des Menschen als einem Mythos.
Wobei er deutlich macht, dass sich Mythen
im Prinzip deshalb so gut in unserer Gesell-
schaft halten, weil sie gerade unselbsndi-
gen Menschen das Leben erleichtern. Ge-
stützt durch das 6. Gebot «Du sollst nicht
ehebrechen» hält sich daher die Vorstellung
hartnäckig, dass das monogame Leben das
beste sei. Das, was in früheren Jahrhunder-
ten einen praktischen Sinn hatte, zum Bei-
spiel die relative Sicherheit, dass es zu kei-
nen Kuckuckskindern kam, hat sich heute
durch den medizinischen Fortschritt weit-
gehend erledigt. Trotzdem sei, so Wie-
sendanger, die Länge einer Beziehung im-
mer noch der Gradmesser für ihre Qualität.
Dies alleine sei eine fehlerhafte und sehr
beein ussende Sichtweise. Warum sollten
nicht nacheinander eingegangene Bezie-
hungen zu einem ebensolchen Glücksge-
fühl führen können, wie es Paare erfahren,
die ihre Goldene Hochzeit feiern? Stattdes-
sen folgten aus einem (falschen) Monoga-
mie-Streben Eifersucht und schlechtes Ge-
wissen. Diese seien aber «toxische» Gefühle.
Ach was? Mit dieser Aussage sind wir bei ei-
nem Grundproblem des Buches angekom-
men. Die eigentlich interessante Fragestel-
lung und die fundierten, wissenschaftlichen
esen verlieren sich oftmals in Banalitäten
und psychologischen Aussagen, die nichts
wirklich Neues sind. So hat man als Leser
mehrfach das Gefühl, hier sollten Seiten ge-
füllt werden, die es in Wahrheit nicht ge-
braucht hätte. Versrkt wird dieses Gefühl
der künstlichen Verlängerung durch die an
jedes Kapitel angefügte Zusammenfassun-
gen, die in ihrer Länge doch sehr redundant
sind. Mehrfach fragt man sich: Warum habe
ich jetzt die vorangehenden Ausführungen
gelesen, wenn ich (mehr als) das Wesentli-
che sowieso am Ende des Kapitels noch-
mals präsentiert bekomme?
Wiesendangers Spezial-Kompetenz,
seine Kenntnisse über LGBT, wird leider
nicht so gekonnt wie erho t ausgespielt. Die
durchaus vorhandenen Bezüge auf queere
Kultur wirken mehrfach zu konstruiert. So
wird z. B. in einem Exkurs die schlechte
Behandlung von queeren Menschen in der
Psychotherapie mit einer grundsätzlichen
Anklage der Homo- und Transphobie von
erapeuten verbunden. Dieser sicherlich
nicht zu leugnende Fakt hat aber kaum et-
was mit dem Mythos Monogamie zu tun, es
sei denn, man unterstellt per se allen
Queers, dass sie überhaupt gar nichts von
Monogamie halten. Aber auch da ist unsere
Gesellschaft zum Glück sehr heterogen.
Nachzuvollziehen ist die Aussage, dass
LGBT schon früh in ihrem Leben Schuld-
und Schamgefühle bezüglich ihrer sexuel-
len Emp ndungen verinnerlichen, sie füh-
len sich nicht «richtig», dies ist aber
zumindest zunächst unabhängig von der
von ihnen eingegangenen Beziehung, wo-
mit das Durchbrechen der Monogamie
zwar zu einem zusätzlichen Problem wird,
das sich dann wiederum aber grundsätzlich
nicht von dem der Heteros unterscheidet.
Fazit: Wiesendanger greift in seinem
Buch einen interessanten Denkansatz auf,
der mehr als spannend und für unsere mo-
derne (LGBT-)Gesellschaft relevant ist. Das
Werk selbst entwickelt sich dann aber zu ei-
nem relativ klischeehaften Psychoratgeber
für jedermann, dessen Länge nicht durch
den Inhalt gerechtfertigt ist.
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24
CRU I S E R A P R I L 2018
KULTUR
INTERVIEW ALEXANDER SEIBT
«Coco als Musical –
ich fand das
grossartig»
berührt mich das ema persönlich – ande-
rerseits ist mein Instinkt als Autor sofort da-
rauf angesprungen: Wow, das ist ein toller
Sto!
Du bist selbst auch Schauspieler: Wo siehst
du die besondere Herausforderung für die
Darsteller?
Ha, Coco wird für die Schauspielerinnen
und Schauspieler eine ziemliche Aufgabe
schon die Grundidee des Stücks wird ihnen
einiges abverlangen, mehr will ich da aber
noch nicht verraten. Sie ssen auf jeden
Fall sowohl das komische als auch das dra-
matische Fach beherrschen, denn einerseits
geht es um Leben und Tod – andererseits
würde man für eine gute Pointe jederzeit
seine eigene Grossmutter verkaufen. Maria-
VO N H AYMO E M PL
C
oco war die berühmteste Transfrau
der Schweiz der 1990er-Jahre, ver-
letzlich, getrieben, charismatisch. In
Bern war sie ein Star: Eine Frau im Körper
eines Mannes, die leidenschaftlich und
furchtlos gegen alles anrennt, was zwischen
ihr und jenem Tag steht, an dem sie endlich
sagen kann: «Jetzt bin ich: Ich.» Ihre grössten
Widersacher scheinen dabei weder ihre El-
tern noch ihr überfordertes Umfeld zu sein,
sondern ihr eigener Körper. Obwohl sie sich
mit zwanzig einer geschlechtsangleichen-
den Operation unterzieht, bleibt ihr Leben
eine verzweifelte Suche nach sich selbst –
und ohne Happy End.
Inspiriert von seinem Vorbild erhlt
«Coc die Geschichte einer Frau, die im
Körper eines Mannes lebt. Das Musical er-
hebt dabei keinen Anspruch auf historische
Genauigkeit, es ist stattdessen die überfälli-
ge Hommage an eine Frau, die ihren an-
spruchsvollen Weg mit Entschlossenheit
und rde gegangen ist. Übrigens: Mit da-
bei wird auch Christoph Marti von den «Ge-
schwister Pster» sein, er wird die Rolle der
«Gilette» spielen. Geschrieben hat das Musi-
cal Alexander Seibt, es ist das erste deutsch-
sprachige Transgendermusical überhaupt.
Wir haben uns mit Alexander unterhalten.
Cruiser: Alexander, wie ist es zur Idee von
«Coco» gekommen?
Alexander Seibt: Cihan Inan, der Schau-
spieldirektor von Bern, ist mit dem Vor-
schlag auf mich zugekommen: Coco als Mu-
sical ich fand das grossartig. Einerseits
Foto: Ayse Yavas
25
CRU I S E R A P R I L 2018
COCO
1969 wurde Coco als Marc-Patric Lorétan
ge boren. 1987 liess er sich unter dem Künstler-
namen Coco zum Model ausbilden, 1988
schloss er die Matura ab, 1990 folgte die
Geschlechts anpassung und aus Marc-Patric
wurde Claudine-Eve. Doch ihre Mutter Trudy
sagte später in einem Interview: «Sie war nie
wirklich glücklich. Sie ist am Leben zerbro-
chen.» Nach den Eingriffen quälten sie Depres-
sionen sowie eine schwere Identitätskrise.
Ärzte diagnostizierten zudem eine Psychose.
1991 schrieb Coco ein Stück Schweizer
Mediengeschichte; Paul Riniker zeigte auf SRF
den Dokumentarfilm «Traum Frau Coco»,
mit Rekordeinschaltquote.
1997 ein weiterer Schicksalsschlag: Diebe steh-
len das 1000-seitige Manuskript ihrer Autobio-
grafie. 1998 wird die Situation dramatisch. «Sie
hatte zuletzt kaum noch gegessen und getrun-
ken», sagte ihre Mutter damals in einer Tages-
zeitung. Am Telefon hatte sie ihre Tochter noch
gebeten nach Hause zu kommen, doch Coco
war zu schwach und sagte, sie schaffe es nicht
mehr, aus dem Bett zu steigen. Tags darauf
erhängte sie sich.
Das Musical zeigt das Leben von Coco nicht
strikt autobiographisch.
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KULTUR
INTERVIEW ALEXANDER SEIBT
nanda Schempp, die Coco spielt, wird alle
Register ziehen ssen darauf kann man
sich nur freuen. Und dann sind da noch die
Songs von Komponist Markus Schönholzer:
Umwerfend aber Teufel, ganz einfach zu
singen sind die wohl auch nicht.
Was war für dich von der Textseite her
besonders anspruchsvoll und wo lag die
Herausforderung?
Es gibt vieles, dem ich gerecht zu werden
und einiges, worauf ich Rücksicht zu neh-
men hatte. Einerseits haben wir hier eine
persönliche Geschichte; von einem Mensch,
der wirklich gelebt hat: Viele von Cocos en-
gen Freunden leben noch. Ihr Vater lebt
noch. Und andererseits ist es das erste
deutschsprachige Transgender-Musical
ich habe also auch die Verantwortung,
dieses ema mit allem, was ich habe, zu
vertreten und zwar weit über Cocos per-
sönliche Geschichte hinaus. Und da ist drit-
tens dann noch mein eigener Anspruch als
Autor: Eine Geschichte zu erzählen, die be-
rührt, unterhält und begeistert.
Wie bist du bei den Recherchen vorgegangen?
Coco war ja noch in der Vor-Internet-Zeit
popur
Ich habe ein paar ihrer ältesten und engsten
Freunde getroen. Später dann auch ihren
Vater. Und natürlich habe ich mir den Doku-
mentarlm von Paul Riniker genau angese-
hen. Aber ich wollte ja keine Biographie über
Coco schreiben – sondern vor allem auch
ein Stück, dass eine einzige Frage stellt: Was
bedeutet es, in und mit einem Körper zu le-
ben, der nicht das eigene Geschlecht hat?
Diese Frage hat auch einen gesellschaftli-
chen Aspekt – und da hat sich in den letzten
20 Jahren ziemlich viel getan. Auch hier
habe ich mich mit Transfrauen und –män-
nern unterhalten, die so freundlich waren,
von sich zu erzählen und von den spezi-
schen Problemen, mit denen sie und die
Community konfrontiert sind. (Shoutout
Transgendernetwork Switzerland!) Und na-
türlich kann man darüber auch im Internet
und in Büchern eine Menge nden.
Wie bist du bei den Texten vorgegangen, gab
es da ein Schema?
Nach der Recherche hatte ich eine grobe
Vorstellung von Figuren und Story, vor
allem hatte ich aber ein Gefühl im Bauch.
Bei eatertexten kann man viel intuitiver
arbeiten als bei Drehbüchern. Ich habe das
maximal ausgenutzt also einfach mal
drauos geschrieben, und zur Hölle mit den
Konsequenzen! Insofern gab es kein Sche-
ma was ich aber immer tue, ist, vor jeder
Szene ein paar Fragen beantworten, z.B.
wer will was, warum ist das wichtig, welche
Strategien stehen ihm zur Verfügung und
was ist der Punkt der Szene? Die Antworten
auf diese Fragen sind wie Leuchttürme:
Man kann auch mal wild drauos segeln,
ohne sich gleich zu verirren. Shoutout auch
an meine dramaturgische Sparringspartne-
rin, die grossartige Fadrina Arpagaus, Dra-
maturgin in Bern!
Hast du während deiner Arbeit den Menschen
hinter Coco in irgendeiner Weise spüren
nnen? War da noch jemand hinter der
öffentlichen Person «Coco»?
Natürlich gibt es diesen Menschen, und sie
ist mir immer wieder begegnet. Das meiste
davon geht aber niemanden etwas an, und
ich erhne es weder im Stück noch hier.
Wichtig für mich ist: Sie hat mit Mut, Witz
und Verzweiung ihren Kampf gekämpft
und ja, am Ende hat sie verloren. Aber sie
hat vielen nach ihr eine Tür geönet, die
sich nicht mehr geschlossen hat.
Coco hatte eine tragische Geschichte – eignet
sich diese tatsächlich als Musical-Stoff?
Um so mehr! Als Teenager habe ich mein
Geld für Opern ausgegeben die Musicals
unserer Urgrosseltern. Die schwimmen nur
so in Blut und Tränen. Musik erönet eine
tiefe Gefühlswelt und ist hervorragend ge-
eignet für tragische Stoe – einerseits um sie
in ihrer ganzen emotionalen Tiefe auszulo-
ten, andererseits um auch mal etwas Ver-
spieltheit und Leichtigkeit in den Abend zu
bringen.
Was darf / kann das Publikum vom Musical
erwarten?
Der Abend wird berühren; er wird weh tun –
und hoentlich sehr lustig werden. Wir
werden alle sterben – verdammt, dann soll es
zumindest Spass machen. Besonders freuen
kann man sich auf die grossartigen Songs
von Komponist Markus Schönholzer – der
übrigens auch die Lyrics verfasst hat. Guter
Mann tolle Zusammenarbeit: Am liebsten
würde ich gleich das nächste Musical mit
ihm schreiben.
Das Musical erhebt dabei
keinen Anspruch auf historische
Genauigkeit, es ist stattdessen
die überfällige Hommage an eine
Frau, die ihren anspruchsvollen
Weg mit Entschlossenheit und
Würde gegangen ist.
ALEXANDER SEIBT
Alexander Seibt schrieb seinen ersten Thriller
als Elfjähriger auf einer Hermes Baby. Heute lebt
er als freier Autor und Schauspieler in Zürich
und Berlin. Er war Mitbegründer der berüchtig-
ten «Off Off Bühne» und Ensemblemitglied des
Zürcher «Theater am Neumarkt». Er hat mit
zahlreichen Regisseuren in unterschiedlichsten
Produktionen zusammengearbeitet. Er schreibt
Filmdrehbücher und Theaterstücke, entwickelt
und überarbeitet Stoffe für Spielfilme und
Serien und arbeitet als Dialogautor. Beim Musi-
cal «Coco» war er für Text und Story verant-
wortlich – in Zusammenarbeit mit dem Kompo-
nisten Markus Schönholzer, der Songs und
Lyrics verfasste.
Foto: Ayse Yavas
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CRU I S E R A P R I L 2018
KOLUMNE
MIRKO
Kuchenbacken für
das gute Studium
Teil 1
VO N M I R KO
S
low down! Dachte ich mir. Mirko, ja,
es isch Früehlig, aber du hesch im-
mer Früehlig, lass di jetz nöd stresse.
Sollen jetzt die Amateure die Betten unsi-
cher machen. Ich mach das, wenn d Hasel-
und Birkepolle mm zentrali News sind.
Überhaupt het mi das mit de Roboter und
em Studiere voll packt. Chasch glaube, das
bring i. Bi scho a so Infoevents gsi. Cool. Stu-
diere isch tüür und min Lohn längt knapp
für mich. Gut, ich wohne bei meinen Eltern,
das hilft. Mama und Tata sparen sich auch
schon mager, um etwas an das Ganze be-
zahlen zu können. Mein Studium wird ein
Familienfest. Ich schwör. Nöd nur Mama
und Tata, nein, auch Striˇcevi, Djedovi und
Rođaci, die ganzi, grossi Familie halt. Alle
sind debii. Es muss gut geplant sein, aber
das ist bei allen Familienfesten so. Ja hey,
wie glaubsch, dass mir sch immer a Os-
tere die ganze Gang bi euis in Dietike hättet.
Wohned ja nöd alli grad i de hood. Und noch
mehr Organisation braucht’s, die ganzen
Leute unterzubringen. Hat bis jetzt immer
geklappt. Also kriegen wir das mit dem Stu-
dium auch hin. Während nun alle drüber
redet, dass i jetzt denn gohne studiere, back
ich einen Kuchen, han i dänkt. Organisiere
chönnds, aber dafür muss unendlich viel
gschnurret werde. Also uf jede Fall meh als
inere volle S-Bahn uf Züri oder inere Gay
Bar. Ich liebes, aber mängmol ist’s auch zu
viel. Also back ich den Osterkuchen. Das be-
ruhigt, han i dänkt.
Also, was bruchts für ne Madjarica?
Mama het sicher alles im Schrank. Milch,
Butter, jaja, hets sicher, iss i ja jede Morge,
denn dunkli Schoggi, Sour Cream, Backpul-
ver, Mehl, mini Baka tuet denn no chli
Rhum dri. Aber das het Mama au im
Schrank. Sour Cream het’s kei und über-
haupt ist gerade Zeit etwas Frühligssunne
zu geniessen. Also los zum Migros, ach, und
schon bin ich wieder abgelenkt. Weisch, die
Stories vo de Pfadi und so, ich war ja nie da-
bei, aber man hört davon, vom backe und
denn chömed d Jungs alli uf d Guetzli, wo
nochher verkauft werden, am besten wohl
beim Dorfbazar. Wird wohl nicht stimmen,
die Geschichte, ich schau mir die Jungs an
da auf dem Weg zum Laden und ich glaub
nöd, dass die uf so Idee chömed. Aber wer
würd’s mir agseh, dass ich Kuchen backe?
Wahrschinli dänked die andere jetz grad,
dass ich scho no so eine chönnti si, wo uf
Cookies creamed. Es ist ja meistens anders
als man sich’s vorstellt. Muess i jo wohl
niemtem verzelle? Oder seid ihr so gut im
Vergessen? Wie wars genau beim letzten
Date? Das war auch nicht so, wie’s du dir er-
ho t hast. Da hesch sicher au Phantasie
brucht, ganz so wie ufem Bild und im Chat
isch es nöd gsi. Also ich nehm mir 200
Gramm Sour Cream, mach’ mi scho mol bi
dem neue Gstellfüller bi de Joghurt bemerk-
bar, mir weiss nie, ob er grad Pause het jetzt
oder s nöchst mol. Bi dem würd i rn bim
Stressrelief Hand alegge. Kei lost case auf
jeden Fall, de Augeufschlag seit alles. De
sött villicht besser d i de Abteilig mit de
o ne Backware scha e, vo wäge Creamed
Cookies. Aber er hat keine Pause und ich
muss die Madjarica hinkriegen. Man muss
sie nämlich einen Tag lang ruhen lassen, bis
man die Schnittchen isst. Natürlich bleiben
die ste bis am Ostermontag, aber wenn
ich auf seine Pause warte und dann noch
rummache, dann wird mein Gebäck höchs-
tens «to go» fertig, für wenn mini Familie
wieder abfst und Fachfüller bliibt no
chli. Das schätze ich nicht. Das han i natür-
lich gfrogt. Das überlasse ich nicht dem Zu-
fall, denn de do isch hot. Weisch so mit vil
wisse Zähn und eme Tattoo uf em Hals. Ver-
lieb ich mich jetzt grad? Sack, Mirko, du
bäckst einen Kuchen, damit das mit dem
Studium gut kommt. Nur weg von hier und
in die Küche. So, Madjarica also: Da macht
man Teig, Mehl und Butter halt, dann Eier
und Zucker und Backpulver und dann
durchkneten, in sieben Teile aufteilen und
kaltstellen. Die halbe Stunde chani guet
bruche ge dem Typ met dem Tattoo am
Hals. Viel han i nöd gseh, aber den Rest auf
seinem Rücken schau ich mir demnächst
nger an, wenn er mol noch de Arbet Ziit
het. Also die halb Stund wo de Teig chüel
staat, han i dringend i mis Zimmer müesse,
aber nei, ich mach‘s d uf d Cookies. Und
Madjarica? Isch guet usecho. De Rescht vom
Rezept erhl ich nächstes Mal.
Mein Studium wird
ein Familienfest.
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SERIE
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VO N A L A I N S O R E L
S
päter wird er sein Missgeschick ewig
beklagen, der bärenstarke Held He-
rakles, Sohn des griechischen Göt-
tervaters Zeus und einer Sterblichen, Kämp-
fer für das Gute und Unschuldige, aber auch
hzornig und gewalttätig. Auf der Fahrt
übers Meer zerbricht ihm das Ruder, und er
muss an Land gehen, um ein neues herzu-
stellen. Seine Kameraden bleiben auf dem
Schi zurück. Nur seinen Waenträger und
Geliebten, den jungen Hylas, nimmt er mit.
Zuerst noch eine Umarmung
Es bereitet Herakles, dem Halbgott, keine
he, aus dem Erdreich einen Baum zu zie-
hen und den Stamm zuzubereiten für seine
neue Aufgabe zu Wasser. Die Arbeit macht
Durst, und so schickt er Hylas aus, um fri-
sches Quellwasser zu holen. Bevor der Bur-
sche weggeht, umarmen sich beide ganz
fest. Sie halten es kaum aus ohne einander;
Herakles mahnt ihn, sich zu beeilen. Das
hört Hylas noch so gerne.
Beschwingt eilt er einem kleinen
Wäldchen entgegen. Er hot, dort aus einer
Quelle Wasser schöpfen zu können.
Schliesslich gelangt er an einen kleinen See,
auf dessen spiegelglatter Oberäche ihm
die wunderschönen Seerosen auallen. Es
ist eine friedliche Stimmung, weiches Moos
lädt zum Verweilen ein. Er beginnt Wasser
zu schöpfen. Eigentümlich losgelöst fühlt er
sich von der Welt. Und hat irgendwie plötz-
lich das Gefühl, nicht mehr allein zu sein.
Aus nächster Nähe beobachtet zu werden.
Das Wasser fängt an, sich zu kräuseln, klei-
ne Wellen plätschern gegen den Strand.
Wo bleibt er nur?
Herakles sieht immer wieder nach dem
Wäldchen hin. Hylas müsste bald auftau-
chen. Die Kehle des Helden ist völlig ausge-
trocknet und überhaupt: Die Abwesenheit
des Freundes löst bei ihm von Kopf bis Fuss
Entzugserscheinungen aus. Er wartet und
wartet und wartet…
Den schwulen Geliebten
beim Wasserholen
verloren
Hylas, der Geliebte des Helden Herakles, kehrte einst vom Wasserholen nicht
mehr zurück. 1896 hat der Maler John William Waterhouse auf einem seiner
Bilder gezeigt, weshalb. 2018 hat die Sexismus-Debatte die griechische Sage
über Hylas und das Motiv des Bildes eingeholt.
Hylas und Herakles halten es
kaum aus ohne einander.
CRU I S E R A P R I L 2018
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Aber Hylas kommt nicht. Er wird nie
mehr zurückkehren. Nach und nach mer-
ken die Reisegefährten von Herakles auf
dem Schi und dieser selbst, dass etwas
nicht stimmt. Sie werden unruhig und star-
ten eine Suchaktion. Sind schnell am Ufer
des kleinen Sees im Wäldchen. Umsonst.
Hylas ist wie vom Erdboden verschluckt.
Herakles ist ausser sich vor Schmerz.
Er bricht die Reise ab, zusammen mit sei-
nem Neen und Wagenlenker Iolaos. Sie
werden ein neues Liebespaar, werden aber
noch lange weiter nach Hylas forschen. He-
rakles quält sich Jahre hindurch mit Vor-
würfen. Immer wieder sagt er sich, dass er ja
ganz in der Nähe gewesen sei, als Hylas im
Wäldchen verschwand, dass er mit wenigen
Schritten dort hätte sein und ihn beschüt-
zen können. Was aber ist am See passiert,
was ist Hylas zugestossen?
Blick frei auf einen muskulösen
cken
Die Sage gibt die Antwort. Der britische Ma-
ler John William Waterhouse (1849 bis 1917)
hat eine ihrer Schlüsselszenen veranschau-
licht auf einem Gemälde aus dem Jahre
1896. Zu sehen darauf sind mehrere nackte
junge Frauen, die bis zur Taille in einem Ge-
sser voller Seerosen stehen.
Barbusig blicken sie auf einen jungen
Mann in einem schulterlosen Gewand; die
eine hält mit beiden nden scheinbar
sanft seinen rechten Arm fest. Er ist im Pro-
l gemalt; der Blick des Bildbetrachters ist
freigegeben auf den muskulösen Rücken
mit der kräftigen rechten Schulterpartie
und dem starken Arm. Wie der Bursche von
vorne aussieht, kann (leider) nur erraten
werden. Den Frauen in der dargestellten
Szene selbst bleibt freilich nichts verborgen.
Was sie sehen, gefällt ihnen oenbar.
Der junge Mann ist Hylas. Die Frauen
sind Najaden, Wasserwesen, die über den
See wachen, den der ngling aufgesucht
hat. Das Werk von Waterhouse, «Hylas und
die Nymphen», zeigt plastisch, wie dicht sie
bereits an ihn herangekommen sind. Ihre
Haltung hat etwas Lockendes, Sinnliches.
Sein Oberkörper ist gebeugt, weil die eine
an ihm zieht und zerrt. Man spürt, er wird
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Hylas und die Nymphe. Statue in St. Johns Lodge Gardens in London.
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CRU I S E R A P R I L 2018
SERIE
HOMOSEXUALIT IN GESCHICHTE UND LITERATUR
formance», inspiriert teilweise durch die De-
batten über #MeToo und Sexismus. Sie stiess
aber auf eindeutige Ablehnung von Seiten
der Userinnen und User im Netz.
#MeToo droht übers Ziel hinauszu-
schiessen. Tugendwahn und Prüderie, Into-
leranz und Zensur dürfen nicht die Antwort
auf tatsächliche sexuelle Willkürakte oder
entsprechende Vorwürfe sein. Wenn Bilder
abgehängt werden, wenn wegen angebli-
cher sexueller Diskriminierung von Frauen
Gedichte überpinselt werden sollen, wenn
im Namen auch der political correctness
und der Tendenz, nicht mehr zur eigenen
Kultur zu stehen, Wörter verboten und Sta-
tuen verllt werden, trocknen wir diese
unsere Kultur aus und verelenden geistig.
Nur gut, dass das Bild inzwischen wie-
der hängt und Besucher den Impuls verspü-
ren rfen, Hylas von den Nymphen zu-
rückzureissen.
demnächst in den See stürzen. Die Sage
selbst spricht Klartext: Sie werden ihn in die
Tiefe ziehen, wo er, ewig bestehend, die
schönste ihrer Seerosen werden soll. Da
hatte er auf Erden Erregenderes vor.
Die Najaden also haben zugeschlagen
und die Zukunftspläne von Herakles und
seinem Geliebten durchkreuzt. Das wissen
wir dank der Sage. Sie wird weiter für Hylas
zeugen. Das Bild von Waterhouse hoentlich
auch. Das war ngst nicht mehr so sicher.
Das Gelde verschwand von seinem ange-
stammten Platz in der Manchester Art Galle-
ry. An dem dadurch freigewordenen Platz
sollten Besucher Zettelchen an die Wand
pinnen und ihre Meinung über solche Bilder
in der heutigen Zeit kundtun. Die Kuratorin
verstand dies als «eigensndige Kunstper-
Der Blick ist freigegeben auf
einen muskulösen cken und
einen starken Arm.
Er hatte Erregenderes vor,
als eine Seerose zu werden.
Mehr oder weniger versteckt findet sich das
Thema Männerliebe in der Weltgeschichte, der
Politik, in antiken Sagen und traditionellen Mär-
chen – aber auch in Wissenschaft, Technik,
Computerwelt. Cruiser greift einzelne Beispiele
heraus, würzt sie mit etwas Fantasie, stellt sie
in zeitgenössische Zusammenhänge und
wünscht bei der Lektüre viel Spass – und hie
und da auch neue oder zumindest aufgefrischte
Erkenntnisse. In dieser Folge: Hylas, Geliebter
des Herakles in einer Sage der Antike, und die
aktuelle Sexismus-Debatte.
Hylas und die Nymphen, 1896. Öl auf Leinwand. John William Waterhouse (1849-1917).
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CRU I S E R A P R I L 2018
KOLUMNE
MICHI RÜEGG
Der Penis ist
ein kleiner Rassist
Menschen existieren in allen Farben. Aber nicht jeder mag
jede. Das kann vor allem dann zum Problem werden, wenn
der eigene Partner nicht die Farbe hat, die er haben sollte.
Was kann man dagegen tun? Nicht viel, fi ndet unser Kolum-
nist Michi Rüegg.
VO N M I C H I RÜ EG G
D
as Problem beim Rassismus ist, dass
er menschenverachtend, verab-
scheuungswürdig und llig dane-
ben ist. Ein weiteres Problem beim Rassis-
mus ist, dass man ihn nicht überall
ausrotten kann.
Ich erinnere mich, wie mir ein Freund
sein Leid klagte. Seit Jahren steht er auf
dunkelhäutige Typen, Afrikaner, Halbafri-
kaner, Latinos, egal woher. Hauptsache sie
sind nicht weiss und recht hübsch. Zwar
hatte er immer mal wieder auch Sex mit sei-
nesgleichen, aber der war halt nie so gut wie
mit den dunkelutigen Typen.
Dann hatte er einen weissen Schwei-
zer zum Freund. Er wollte das so. Schliess-
lich hatten ihm die Latinos zum Teil den
letzten Nerv geraubt. Da waren manchmal
doch recht unterschiedliche Kulturen auf-
einandergeprallt. Im Bett mochte das noch
so gut funktioniert haben. Ausserhalb des
Bettes kam es zu kleinen Katastrophen.
Nun hatte er also seinen durchaus
hübschen jungen Schweizer. Und er war
auch sehr glücklich mit ihm. Aber dem Sex,
so richtig beide auch alles machten, dem
fehlte die gewisse südliche rze, die mein
Bekannter so sehr sctzte.
«Was soll ich tun?», fragte er. Meist
projizierte er im Geiste einen Latino in den
Körper seines Partners. Aber so spitz wie
ihn die dunkelhäutigen Typen machten, so
geil wurde er nie bei seinem Schweizer. Es
war zum Verzweifeln.
Viele Schwule sind genauso gut im
Ausgegrenztwerden wie im Ausgrenzen. Auf
Datingportalen stehen Dinge wie «Sorry, no
Asians». Spricht man jemanden darauf an,
tritt das Dilemma zutage: «Ich nde die halt
einfach nicht sexy, tut mir leid», sind solche
Sätze. Und es ist ja auch nicht praktikabel,
nur aus Gründen der Diversity mit Men-
schen zu schlafen, von denen man sich nicht
angezo<